Ein Frankfurter Traditionsunternehmen

Metzgerei Waibel feiert 90-jähriges Bestehen

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Metzger Kai Waibel vor seinem Laden in der Leipziger Straße.

Bockenheim (jf) – Es war an diesem 90. Metzgerei-Geburtstag schwierig, den Chef Kai Waibel für ein paar Minuten zu sprechen.

Er durfte auf der Bühne im Hof bei Moderator Thorsten Wszolek und Karnevals-Urgestein Margit Sponheimer nicht fehlen, die Gäste wollten ihn alle persönlich begrüßen – so viele Bussis hat der Metzger wohl selten an einem Tag erhalten. „Ich komme gleich!“, versprach er und verschwand. „Bleib das, was du bist, ein echter Kerl“, gratulierte gerade noch Georg Volz, Vorstandskollege der Fleischer-Innung Frankfurt – Darmstadt – Offenbach mit mehr als 70 Mitgliedern. „Der Kai Waibel ist berufsnarrisch, immer hilfsbereit und strukturiert. Kai agiert, hat viele Gedanken im Kopf. Dass er so schmal ist, liegt ganz bestimmt nicht an der Qualität seiner Ware“, sagte Volz lachend.

Eckhart Neun, Vizepräsident des Deutschen Fleischer-Verbandes und ebenfalls zum Geburtstag anwesend, konnte das alles nur bestätigen: Der Metzgermeister in der Leipziger Straße sei außerdem sozial engagiert, gut vernetzt in seinem Stadtteil Bockenheim und darüber hinaus. Er gehört zu den 15 inhabergeführten Metzgereien in Frankfurt – einst waren es um die 400.

Und dann klappte es doch. Kai Waibel konnte sich für ein paar Minuten loseisen: Ja, in seiner Brust schlage ein Frankfurter Herz. Die Metzgerei hat er im November 1993 vom Vater übernommen. „Ich habe den Weg des geringsten Widerstands gewählt“, sagte der inzwischen 51-Jährige ein bisschen verschmitzt zu seiner Berufswahl. Längst identifiziert er sich mit dem Metzgerhandwerk, viele Urkunden zieren die Wände des Fachbetriebs, der 1929 von Maria und Georg Weibel gegründet wurde. 1966 übernahm Sohn Walter Waibel, dann setzte dessen Sohn Kai das Geschäft in dritter Generation fort – in den ersten Jahren von seiner Mutter Marianne unterstützt.

Mittlerweile arbeiten 28 Beschäftigte im Unternehmen, das auch ausbildet. Der Catering- und Party-Service steht an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung, wie ein Schild über dem Laden verkündet. Nicht nur die Zahl der Geburtstagsgäste, sondern auch die Herzlichkeit, mit der man einander begrüßt, sprechen für sich und für Waibel. „Es liegt an meinen Mitarbeitern, dass unsere Arbeit Anerkennung findet. Dass der Familienbetrieb erhalten bleibt, ist mir wichtig“, sagte Waibel bescheiden. Stolz ist er, dass sein ehemaliger Azubi Michael Engel im März dieses Jahres die Prüfung zum Fleisch-Sommelier bestanden hat – eine Qualifikation, die nur wenige in Deutschland vorweisen können.

Tatsächlich hat Kai Waibel hundert Ideen im Kopf – nur eben zu wenig Zeit, um alle umzusetzen. Aber mit der eigenen Wurstproduktion hat er schon ganz andere Möglichkeiten. So kreierte er jüngst eine Grüne-Soße-Bratwurst.

Irgendetwas kommt bei alledem immer zu kurz. Urlaub beispielsweise: „Aber eine Woche im Jahr gönne ich mir schon“, sagt Waibel. Und dann wurde der Frankfurter Bub mit Leib und Seele auch schon wieder umarmt und in Beschlag genommen: Das Fest ist schließlich ein Dankeschön für die jahrzehntelange Treue der Kunden.

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