Ein Messiah für alle Religionen

Händel auf Abwegen: Ein szenisches Oratorium

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Der Gurpreet Singh Chor und die Schauspieler treten in der Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster auf.

Altstadt (red) – Geflüchtete, Studierende und Frankfurter unterschiedlicher Herkunft und Religion zeigen jetzt ihre Version des „Messiah“ nach dem Oratorium von Händel.

Der Kunst- und Kulturverein Art-Q präsentiert ab Freitag, 8. März, das multikulturelle Musik-Theater-Stück an insgesamt sieben Terminen in der Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster. In Zeiten kultureller und politischer Spannungen zwischen den Religionen rückt dieses Projekt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Blick: Glaube, Liebe, Hoffnung – hier begegnen sich Gläubige, Atheisten und Suchende auf dem mühsamen Weg zur Erleuchtung. Studierende der UAS Frankfurt und Musiker der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) treffen auf Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund und setzen ein sichtbares Zeichen der Öffnung für kulturelle und religiöse Diversität.

Auf der Grundlage des Oratoriums von Händel projizieren die Darsteller die Vielfalt der teilnehmenden Glaubensgemeinschaften. „Der ,Messiah’, als Musterbeispiel abendländischer Musikkultur bildet die Grundlage, um Menschen aller Religionen gemeinsam auf die Bühne zu bringen“, sagt Theaterpädagoge Timo Becker. Durch neue Arrangements des klassischen Händels und musikalische Einflüsse der verschiedenen Kulturen ist es den Teilnehmenden gelungen, ein zeitgemäßes und mitreißendes Musiktheaterstück zu entwickeln, das die großen Themen von Religion und Philosophie beinhaltet. Von Sinnfragen bis hin zur Sinnlosigkeit – von Händel bis Highway to Hell! In der aktuellen Debatte um Flucht und Migration wird deutlich, dass vor allem die Themen Kultur und Religion die Integration erschweren.

Auf der Gegenseite spielt die religiöse Zugehörigkeit auch für Geflüchtete eine große Rolle, sowohl beim Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung wie auch im alltäglichen Leben im christlich geprägten Deutschland. Deshalb bearbeitet das kulturell-ästhetische Bühnenstück verschiedene Glaubenswege und Weltanschauungen und will dazu beitragen, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen, gegenseitigen Respekt und Integration zu fördern. „Wir gehen in diesem Projekt den Gottesbildern auf den Grund und suchen nach Übereinstimmungen, aber natürlich auch nach Unterschieden und Konfliktpotenzial – und wo finden wir gemeinsamen Boden? Diese Frage muss auch Händel heutzutage aushalten!“ – da ist sich Regisseurin Maja Wolff sicher.

Gemäß ihrer Tradition bietet die Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster einen Ort der Kommunikation und Verständigung verschiedener Weltanschauungen und öffnet ihre Tore für die Auferweckung des „Messiah“ von Händel in einer interreligiösen Neuinszenierung. Die 20 Theaterspieler unterschiedlicher Nationalität und Religion werden musikalisch begleitet von einem 50-köpfigen Chor und einer Orchester-Band. Die Aufführungen finden statt am 8., 9., 14., 15., 21., 22. und 23. März, in der Heiliggeistkirche, Dominikanergasse 14. Der Eintritt kostet zwölf, ermäßigt acht Euro. Der Beginn ist je um 19.30 Uhr, der Einlass ab 18.30 Uhr.
Tickets und weitere Infos gibt es unter 0180-6050400.

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