Besuch in der Frankfurter Börse und der IHK an den Tagen der Industriekultur

Mehr als 430 Jahre Börse, 15.000 Azubis und neue Pläne

Der Blick vom Balkon auf das Parkett der Frankfurter Börse. Foto: Faure

Innenstadt (jf) – Kein guter Börsentag; der Dax schwächelt seit Anfang August und fällt unter die 12. 000-Punkte-Marke. Zu viel Unsicherheit auf der Welt – und nun noch die Abwertung des chinesischen Yuan als Antwort auf US-Strafzölle lässt Anleger vorsichtig werden.

Der Blick auf das Parkett ist sicher einer der Höhepunkte der Führung durch das IHK- und Börsen-Gebäude anlässlich der Tage der Industriekultur.

Doch zunächst informiert Jochen Bulling, Prozess- und Qualitätsmanager Unternehmensentwicklung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, über Eckdaten. 1585 legten Frankfurter Kaufleute einheitliche Wechselkurse für Münzen fest. Das war die Geburtsstunde der Frankfurter Börse. Heinrich Burnitz und Oskar Sommer entwarfen das in fünf Jahren errichtete und 1879 eröffnete Gebäude, das mit 43 Metern Innenhöhe die Maße des Mittelschiffs des Kölner Doms erreicht – nur eben deutlich schneller fertig war. Am Eingangsportal stehen außen die Figuren Landhandel, Afrika, Europa, Amerika, Asien und Australien – sie stammen von der Alten Börse am Paulsplatz, die nach 30 Jahren zu klein geworden war. Im Jahr 2000 zog die Börse erneut um – an den Industriehof nach Bockenheim, zehn Jahre später weiter nach Eschborn. Und spart damit 60 Millionen Euro Gewerbesteuer jährlich.

Vor dem großen Saal im dritten Obergeschoss geht es an der Galerie aller IHK-Präsidenten vorbei. Das Bild von Ulrich Caspar, im Mai 2019 gewählt, fehlt noch.

Die Besuchergruppe betritt den gut gekühlten IHK-Plenarsaal mit drei imposanten Oberlichtern. Jochen Bulling informiert über die Tätigkeit der 1808 gegründeten Kammer, die rund 111.000 Unternehmen der Stadt Frankfurt, des Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreises vertritt. „Die IHK hat knapp 80 hoheitliche Aufgaben vom Staat übernommen, darunter die Ausbildung. Zurzeit lernen etwa 15.000 junge Menschen in rund 130 Ausbildungsberufen. Neue Berufe wie Kaufmann E-Commerce entstehen. Wir führen jährlich etwa 6000 Beratungsgespräche mit Existenzgründern, beschäftigen mehr als 200 hauptamtliche Mitarbeiter und etwa 3200 ehrenamtliche Prüfer“, berichtet Bulling.

Interessant ist auch, dass in den Morgenstunden des 18. Juni 1948 im Westflügel der Börse die Einführung der D-Mark beschlossen wurde. In den 1200 Quadratmeter großen Börsensaal dürfen Besucher nicht – das rührt noch aus der Zeit des Parketthandels, den es seit 2011 nicht mehr gibt. Seitdem wird unter dem Handelssystem Xetra nur noch elektronisch gehandelt. Das Verbot indes blieb – unkontrollierte Fingerzeige hätten damals ein Chaos ausgelöst.

Das Frankfurter Parkett ist jedoch nicht nur seit 1987 Fernsehkulisse (Telebörse), hier arbeiten noch rund 80 Börsianer im Wertpapierhandel mit 12.000 Aktien, 29.000 Anleihen, Exchange Traded Funds (ETF) und Exchange Traded Products (ETP), 2900 Fonds und 1,6 Millionen Zertifikaten und Optionsscheinen. Das Hauptgeschäft der Gruppe Deutsche Börse läuft allerdings in Eschborn, dort sind 2000 Mitarbeiter tätig.

Gegenwärtig wird am Börsenplatz in Frankfurt umgebaut. Bis 2020 soll eine „Event- und Erlebnisfläche im Herzen der Stadt“ entstehen, so heißt es im Flyer. Ein Besucherzentrum, eine exklusive Lounge und ein großflächiges Konferenzzentrum sind geplant. „Dann muss der Börsengang eines Unternehmens nicht mehr draußen auf dem Platz gefeiert werden“, erläutert Bulling. Weiter hinauf geht es auf die Dachterrasse im vierten Obergeschoss. Hübsch. Nebenan ist die Cafeteria. „Die Vereinigten Staaten und China streiten sich um die Macht in der Wirtschaftswelt, die Stimmung bleibt angespannt“, stellt Markus Gürne abends in der Sendung „Boerse vor acht“ fest. Schützt der Bulle, der seit 1988 vor dem Gebäude dem Bären gegenüber steht, die Börse?

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