Gegen Schwarzarbeit und Lohndumping

Maler wollen faires Handwerk

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Die ersten 25 Unternehmen der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main erhielten das Siegel „Faires Handwerk“. Ganz links Felix Diemerling, Geschäftsführer der Innung, zweiter von links Stadtrat Markus Frank.

Innenstadt (zmo) – Im Festsaal der Freimaurerloge „Zur Einigkeit“ in der Kaiserstraße haben sich vergangene Woche die Mitglieder der Maler- und Lackiererinnung Rhein Main getroffen. Toleranz und soziale Gerechtigkeit sind tief verinnerlichte Werte bei den Mitgliedern der Loge.

Eigenschaften, denen sich aber auch Handwerker verpflichtet fühlen. Mit diesen Gemeinsamkeiten und der historischen Umgebung stellte die Innung ihre „Initiative Faires Handwerk“ vor. Es war sicher nicht nur der Aufschrei in den Medien, die seit Langem die unzumutbare und menschenverachtende Behandlung von Wanderarbeitern beschreibt. Felix Diemerling, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main, beklagte diese Zustände ebenfalls. „Osteuropäische Bauarbeiter findet man auf zahlreichen Baustellen rund um Frankfurt. Viele haben monatelang von ihren Auftraggebern kein Geld bekommen. Zahlreiche rumänische Arbeiter demonstrierten und forderten ihre versprochenen Löhne. Die Arbeiter vegetieren in heruntergekommenen Einhausungen. Verbraucher beklagen sich über schlechte Arbeitsleistungen. Die ausführenden Betriebe sind schwer oder gar nicht mehr erreichbar, Regressansprüche sinnlos. Dies sind nur Beispiele, aber seit Jahren zunehmende Realität“, erklärt Diemerling.

„Das Ziel der Innung ist es, Lohndumping und Schwarzarbeit zu verhindern, Transparenz und Rechtssicherheit für Kunden zu schaffen und damit einen fairen Wettbewerb zu erreichen. Es gibt Gesetze, die diese Zustände verhindern könnten, aber sie werden offenbar nicht durchgesetzt. Seriös arbeitende Betriebe der Branche, erpressbare Wanderarbeiter und vor allem sorglose Verbraucher haben letztendlich den Schaden. Eine ganze Branche kommt in Verruf, was auch den Verbraucher verunsichert“, sagte Innungschef Felix Diemerling.

Entstanden ist eine sogenannte Sub-Sub-Kultur mit der daraus resultierenden Scheinselbstständigkeit. Viele Betriebe arbeiten schon seit Jahren nicht nur mit eigenen Mitarbeitern. Sie leiten Arbeiten weiter an Subunternehmer, die vergeben die Aufträge weiter von Firma zu Firma. Jeder will etwas verdienen, meist verdient aber der Arbeiter am wenigsten. Er ist in der Regel nicht versichert, kann keine Altersvorsorge aufbauen, was zu einem sozialen Elend führt. „Mit unserer Initiative ‘Faires Handwerk’ können wir nun auf diese Missstände eine erste Antwort geben. Einzelne Punkte sind in einer Selbstverpflichtungserklärung festgehalten, die in mehrjähriger Diskussion durch Unternehmen, Juristen und volkswirtschaftlicher Beratung entstanden sind“, sagte Felix Diemerling.

Tragen dürfen dieses Siegel nur Betriebe, die die freiwillige Erklärung unterzeichnet haben. Es kennzeichnet: Rechtssicherheit für Auftraggeber, Qualität der Handwerkerleistungen. Gewährleistungssicherheit, legale Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen, keine Ausbeutung von Billiglohnkräften, fairer Wettbewerb und gesellschaftliche Verantwortung. Stadtrat Markus Frank lobte die Innung. Zum Abschluss erhielten die ersten 25 Unternehmen aus der Hand des Obermeisters der Maler- und Lackiererinnung, Jürgen Jobmann, ihre bestätigten und gesiegelten Selbstverpflichtungserklärungen. Die Innung ist überzeugt, dass sich weitere Betriebe anschließen werden. Dem Verbraucher wird diese Zertifizierung mehr Rechtssicherheit und ein gutes Gefühl bei der Auswahl seines Malers geben. Unter www.faireshandwerk.de gibt’s alle Infos.

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