Erfolgreiche Initiative: Kunst im Nordend gibt es seit 15 Jahren

Kunst anstelle von kahlen Wänden

Jörg Harraschain (links) mit einem Bild vom Mittelstreifen auf der Friedberger Landstraße und einer Pflanzaktion 2012, mit Jörg Müller. Foto: Faure

Nordend (jf) – Jörg Harraschain, der „König vom Nordend“, wie er von einigen genannt wird, hat sich zu Beginn der Jahrtausendwende besonders über die Kreuzung Alleenring/Friedberger Landstraße gewundert. „Die veränderte sich enorm schnell.

Das wollte ich auf Fotos festhalten“, erzählt der Unruheständler. So kam es dazu, den Wandel im Nordend zu dokumentieren. Über sechs Jahre, bis 2003, war Harraschain Ortsvorsteher im Ortsbeirat drei gewesen, rund 20 Jahre gehörte er dem Gremium an. 2004 gründete er die Arbeitsgemeinschaft „Kunst im Nordend“ (Kuno). „Wir wollten im öffentlichen Raum etwas zeigen und etwas verändern“, sagt er. Mit ihm engagiert sich sein ehemaliger Studienkollege Jörg Müller. Manchmal sind sie nur zu zweit, manchmal zu 18 – zum Beispiel bei Pflanz- und Pflegeaktionen am 300 Quadratmeter messenden kleinen Friedberger Platz, der seit 2014 Matthias-Beltz-Platz heißt. 2007 pflanzten sie und Engagierte 100 Sonnenblumen auf der Friedberger Landstraße zwischen Rat-Beil- und Gießener Straße.

Ein Jahr später folgte die Ausstellung im Wasserpavillon des Chinesischen Gartens anlässlich der 20-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Guangzhou und Frankfurt. 2009 hieß es am Eingang des Günthersburgparks: „Das Nordend zeigt sich“. „Seit inzwischen 13 Jahren haben wir die multiple Ausstellungswand mit 16 Tafeln. Die ist richtig gut, war zwar nicht billig, aber wir wurden von der Stadt mit dem Projekt Nahmobilität finanziell unterstützt“, erzählt Harraschain, der an die zwei Jahre an der Wand getüftelt hat.

Die Exposition am Günthersburgpark erfüllte genau den Zweck, der sowohl Harraschain als auch Müller vorschwebte: Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen, sie zu den Bürgern zu bringen. „Obwohl Auf- und Abbau und die Lagerung der Tafeln schwierig sind“, ergänzt Müller. „Da wünschten wir uns manchmal kräftige Hilfe“, sagt Harraschain. Überhaupt, die Kuno-Idee hat sich ständig weiterentwickelt, Kreise gezogen. Die Arbeitsgruppe ist in Bewegung. Junge ziehen weg, manchen Älteren wird es zu mühsam.

Natürlich wollen sich Harraschain und Müller, beide sind Anfang der 40er-Jahre geboren, noch nicht zurückziehen. Dafür haben sie viel zu viele Einfälle. Aber nicht nur das Interesse junger Leute, sondern auch ihre Unterstützung wäre schön. „Die richtige Balance zwischen alt und jung ist wichtig“, bemerkt Müller. „Bei der Aktion ‚Blumen statt Bitumen‘ 2009 hatten wir auch aktive Hilfe von Geflüchteten, denen die Pflanzaktion Freude gemacht hat.“ Die Wanderausstellung „So lebte man damals im Nordend – Historische Fotografien“, die 2009, 2011 und 2012 gezeigt wurde, soll vielleicht wiederholt werden.

Selbstverständlich kooperiert Kuno mit diversen Partnern, 2019 beispielsweise mit der Freien Evangelischen Gemeinde. „Wir haben unsere mobilen Tafeln zur Verfügung gestellt, die Kinder zeigten in der ‚Freiraum-Exposition‘ im Oeder Weg, was sie in ihrem Umfeld gut finden und was nicht“, erklärt Harraschain. Es wird also weiter Ausstellungen geben, so wollen Harraschain und Müller etwa dazu aufrufen, Hinterhöfe im Nordend zu fotografieren.

„In den vergangenen Jahren sind viele Flächen versiegelt worden. Wir wollen darauf hinweisen und um jeden Quadratmeter Grün kämpfen“, äußert Jörg Müller. Insgesamt acht Ausstellungen und das offene Gartenprojekt am Matthias-Beltz-Platz haben die Aktiven in den vergangenen 15 Jahren auf die Beine gestellt. Und sie wollen, dass es weiter geht – hoffentlich auch mit jungen Leuten.

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