Neue Museumsräume im Haus zur Goldenen Waage

Komm mit ins Belvederchen!

Bastian Weikum (von links), Dorothee Mang und Peter Feldmann mit der Auszeichnung. Foto: Faure

Altstadt (jf) – Es war damals eine Top-Lage und ist es heute wieder: Das Haus zur Goldenen Waage in der Neuen Altstadt unmittelbar am Dom. 1562 wurde Maximilian II. in Frankfurt als erster römisch-deutscher König gekrönt, ihm folgten weitere neun Krönungszeremonien.

Abraham van Hamel, ein calvinistischer Flüchtling, Zuckerbäcker, Gewürz- und Materialwarenhändler aus Tournai, das damals zu den Spanischen Niederlanden gehörte, ließ sich in Frankfurt nieder, bekam 1599 das Bürgerrecht verliehen und erwarb 1605 das Haus zur Goldenen Waage und später weitere Immobilien. Doch erst 13 Jahre später nach diversen Streitigkeiten mit Nachbarn und Rat konnte er das alte Gebäude abreißen und neu bauen. Aber zur Krönung von Kaiser Matthias 1612 und Kaiser Ferdinand II. 1619 hatte er einen Logenplatz. Lange allerdings konnte er sich des Hauses nicht erfreuen: Abraham van Hamel starb 1623. Er hinterließ nach heutigen Maßstäben einen zweistelligen Millionenbetrag.

„Die Goldene Waage und das Historische Museum sind eng miteinander verbunden“, erklärte Museumsdirektor Jan Gerchow. 1913 hatte das 1878 gegründete Museum die Goldene Waage übernommen und es als Bürofläche und Bibliothek genutzt. 1928 war dort die Ausstellung „Aus Alt-Frankfurter Bürgerhäusern“ zu sehen. Die allerdings sollte bei der jetzigen Einrichtung nicht wiederbelebt werden. Aber der Gedanke des Architekten Jochem Jourdan, der die Rekonstruktion leitete, in den Räumen Sammlungsobjekte aus dem 17. Jahrhundert zu präsentieren, wurde gerne aufgenommen. Zwischen 2014 und 2019 wurde die Goldene Waage wieder errichtet, wenn auch nicht an alter Stelle und in allen Details. Die Kosten: Rund acht Millionen Euro. Damit ist die Goldene Waage das teuerste Haus der Neuen Altstadt. Und das prächtigste. Für den herausragenden Bau verlieh Stadtbild Deutschland den Preis „Gebäude des Jahres 2018“.

Sechs Räume im ersten und zweiten Obergeschoss können nun nach Anmeldung im Historischen Museum begangen werden. Täglich außer montags finden um 16 Uhr 90-minütige Führungen statt. „Sie starten im Historischen Museum mit einem Besuch der Abteilung ‚Altstadt-Drama‘, das von der bewegten Geschichte der Goldenen Waage berichtet“, erläuterte Susanne Gesser.

Bis hinüber zur Goldenen Waage ist es tatsächlich nicht weit. In der ersten Etage befindet sich die Große Stube mit einem prunkvollen Fassadenschrank, einem Tisch mit Zinngefäßen und den Porträts von David de Neufville-Neef und Anna Margarethe de Neufville geborene Neef. Unglaublich plastisch ist die Stuckdecke, sie erzählt gleich mehrere Geschichten.

Die Hintere Stube daneben mochte den vier Töchtern des Hauses als Schlafzimmer gedient haben. Ein prunkvolles Ehebett, eine mit Intarsien verzierte Truhe und Schrank versetzen den Besucher ins 17. Jahrhundert.

Im zweiten Obergeschoss befinden sich Musik- und Schreibzimmer, Spielekammer und ein Wirtschaftsraum. Noch eine Treppe höher gelangt man zum Belvederchen, dem Dachgarten, und ist bezaubert vom Zierbrunnen und der überdachten Laube mit Blick auf den nahen Domturm. In dieser Oase verbinden sich Rekonstruktion und Gegenwart auf besondere Weise: Da es keine Originalzeichnungen zur Ausgestaltung der Laubendecke mehr gab, beauftragte man den 2017 verstorbenen englischen Künstler Edward Allington. Nun zieren Musikinstrumente und Ranken den blassblauen Grund. Natürlich ist das Belvederchen in der geführten Besichtigung enthalten – ein ganz besonderer Ort.

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