OB empfängt Vertreter der Initiative „Familien in der Krise“

Klare Aussagen gewünscht

Oberbürgermeister Peter Feldmann hat für die Nöte der Vertreterinnen der Initiative „Familien in der Krise“ ein offenes Ohr. Foto: Max Scharffetter/ p

Frankfurt (red) – Stephanie Dinkelaker, Nil Salditt, Ayse Dalhoff, Nora von Obstfelder, Marte Termin und Agnes Horvath haben eines gemeinsam: Die sechs Mütter stehen seit mehr als zwölf Wochen vor der schier unlösbaren Aufgabe, ihr Berufs- und Privatleben sowie die Arbeit aus dem Homeoffice und die Betreuung der eigenen Kinder unter einen Hut zu bringen.

Die Vertreterinnen der bundesweiten Initiative „Familien in der Krise“ haben sich mit Oberbürgermeister Peter Feldmann getroffen, um mit Frankfurts Stadtoberhaupt über ihre Lage zu sprechen und sich politische Rückendeckung für ihre Forderungen zu verschaffen. .

Unisono berichteten die Mütter davon, dass Homeschooling und Homeoffice unter einem Dach nicht funktionieren. „Ich kann so nicht weitermachen“, sagte Nil Salditt, deren Zwillinge eigentlich die erste Klasse besuchen, seit über 100 Tagen bis auf wenige Ausnahmen allerdings zu Hause bleiben mussten. Agnes Horvath, die Mutter einer siebenjährigen Tochter, hat festgestellt, dass es ihrer Tochter von Monat zu Monat schlechter ging, da die soziale Isolation und die fehlende schulische Förderung nicht zu kompensieren seien. Nora von Obstfelder hat als Bankerin die Finanzkrise in London erlebt. „Mit Macht und Geld hat man Einfluss, als Eltern nicht“, lautet das bittere Fazit der dreifachen Mutter.

Die Legende vom sorgenfreien Homeoffice sei widerlegt worden, sagte Feldmann: „Ich habe es selbst erlebt, denn als Oberbürgermeister gehöre ich auch nicht zu einer systemrelevanten Berufsgruppe und weiß aber, dass Kinder ihre Zeit einfordern.“ Der Oberbürgermeister präzisierte: „Ich möchte nicht, dass unsere Eltern gesundheitspolitische Versuchskaninchen werden.“

Die Runde war sich rasch einig, dass nicht nur Kinder und Eltern, sondern auch Erzieher und Lehrer Planungssicherheit benötigen und dringend wissen müssen, wie es nach den Sommerferien weitergehen werde. Besonders groß sei der Druck der Verantwortung, der auf Schul- und Kitaleitungen laste. „Es geht dabei um die Weitergabe von Informationen und darum, wann man etwas erfährt. Das gleiche Problem beklagt unsere Bildungsdezernentin Sylvia Weber gegenüber dem Land, die kaum Reaktionsspielräume hat“, sagte Feldmann.

„Sie haben uns allen aus dem Herzen gesprochen. Wir versuchen, eine bundesweite Lobby aufzubauen, weil wir seit März darauf aufmerksam gemacht haben, dass unsere Kinder nicht vergessen werden dürfen. Es wird über Bundesliga, Biergärten und Kaufhäuser entschieden. Aber wir Familien stehen stets am Ende der Kette“, sagte Ayse Dalhoff.

Die Initiative setzt sich weiterhin für eine kontrollierte Öffnung von Schulen und Kitas für alle Kinder, einheitliche Hygienekonzepte, die Aufhebung von Abstandsregeln und Maskenpflicht und gegen einen erneuten landesweiten Lockdown von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ein.

Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass diese Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene getroffen werden müssen und die Stadt Frankfurt letztlich nur das umsetzen könne, was verordnet werde. Auch da wünsche man sich mehr Planungssicherheit und klare Aussagen zum weiteren Vorgehen seitens der Landesregierung. „Als Stadt haben wir beschlossen, sehr zeitnah 50 Millionen Euro zu investieren, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Aber bei der Schulung der Lehrer brauchen wir Unterstützung vom Land“, nannte der Oberbürgermeister ein konkretes Beispiel.

Ferner waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Einhaltung von Kinderrechten eine Selbstverständlichkeit sein sollte und auch das Problem häuslicher Gewalt sowie der Erhalt von Bildungsgerechtigkeit stärker thematisiert werden müssten. Feldmann bot den Vertreterinnen von „Familien in der Krise“ an, für ein weiteres Treffen bereitzustehen sowie Veranstaltungen der Initiative durch seine Teilnahme zu unterstützten.

Infos zur Initiative unter www.familieninderkrise.com/.

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