Heiteres Gespräch im „punctum“ vor Beginn der Faschingstage

Katholiken feiern, Protestanten arbeiten?

Stefan Hoffmann mit Schelmenkappe und daneben Bernd Oettinghaus sowie das Team von „punctum“. Foto: Faure

Altstadt (jf) – Es war voll im kleinen, hellen Begegnungs-, Informations- und Gesprächsraum „punctum“ an der katholischen Liebfrauenkirche im Herzen der Stadt.

Die Gäste wurden von Geschäftsführer Stefan Hoffmann nett und – wenn sie wollten – mit einer Stange Bier begrüßt; Frankfurter Bier in Kölsch-Gläsern.

Im Hintergrund liefen Fastnachtsmelodien. Genau da knüpften auch die beiden Gesprächspartner Stefan Hoffmann und der evangelische Theologe Bernd Oettinghaus an: Sie diskutierten über den Text des Liedes „Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“ von Jürgen Becker und Norbert Alich. Weiter heißt es im Song: „ ... die haben doch nichts anderes als arbeiten im Sinn. Als Katholik da kannste pfuschen, dat eine is jewiss, am Samstag gehste beichten und fott is der janze Driss.“

Hoffmann und Oettinghaus stellten sich kurz vor, Oettinghaus ist verheiratet (mit einer Katholikin), hat vier Kinder und vier Enkel. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, war vorher Gärtnermeister und studierte dann Theologie“, bemerkte Oettinghaus. Auch Hoffmann, aus Köln stammend, hatte studiert – in Bonn. Seit drei Jahren ist er in Frankfurt tätig. „Es war schon immer mein Wunsch, so eine Veranstaltung durchzuführen“, bemerkte der Rheinländer, der sich eine bunte Latzhose angezogen und eine Schelmenkappe aufgesetzt hatte.

Bedeutet der katholische Glaube Prunk und viele Feiern, der evangelische Verzicht und Arbeit? „Martin Luther war wohl nicht der Einzige, der aus Rom zurückkam und die Zustände in der katholischen Kirche kritisierte“, sagte Oettinghaus. Wenn Arbeit darüber entscheide, was nach dem Tod passiert, strenge man sich im Leben mehr an. Genau das sei das Erfolgsmodell der evangelischen Kirche.

„Wenn Gott einen gesegnet hat, darf man auch feiern“, entgegnete Hoffmann. „Arbeit ist ja nicht gar so sehr der Streitpunkt“, äußerte der evangelische Theologe. „Meinen Sie, dass Katholiken weniger arbeiten?“, fragte Hoffmann ins nicht paritätisch (sondern mehrheitlich katholisch) geprägte Publikum. „Vielleicht hat man als katholische Schwäbin irgendetwas falsch gemacht“, sinnierte eine Dame laut. Gelächter. Fakt sei, so beide Geistliche, dass es katholisch und evangelisch geprägte Landstriche gebe. Die Karnevalshochburgen befinden sich in katholisch dominierten Gebieten.

Zum Schluss der Podiumsrunde gab es ein Gewinnspiel. Hausherr Stefan Hoffmann fragte: „Welcher Heilige hat vier Beine?“ Eine Dame antwortete sofort: „Der Heilige Stuhl!“, und gewann eine Flasche Bier. Das mit dem Heiligen Stuhl hatte seinen Grund: Der Tag der Veranstaltung war das Fest Kathedra Petri in Erinnerung an die Berufung des Apostels Petrus zum Lehramt der Kirche. Er übernahm den römischen Bischofsstuhl. Der gleiche Tag gilt auch als Lostag (Schicksalstag) im Bauernkalender. So wie das Wetter an diesem Tag wird es in den nächsten 40 Tagen. Viel Gesprächsstoff im „punctum“ und damit eine gelungene Veranstaltung.

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