„Die Politik sollte sich am realen Mobilitätsbedarf orientieren“

Kammern und Verbände fordern Ausbau der Verkehrsinfrastruktur

Vor dem Römer (von links): Kaweh Nemati vom Dachverband der Gewerbevereine, Bernd Ehinger von der Handwerkskammer, Professor Manfred Güllner vom Institut forsa, Ulrich Caspar von der IHK Frankfurt und Franz Steul vom Gewerbeverein Bornheim Mitte. Foto: Goetzke Photographie/p

Frankfurt (red) – Vertreter verschiedener Wirtschaftsorganisationen in Frankfurt haben einen Kurswechsel in der Verkehrspolitik angemahnt.

„Wir fordern eine Verkehrspolitik mit Augenmaß, Kreativität und Leidenschaft zugleich, die sich an realen Situationen und Anforderungen messen lässt, und auch die Auswirkungen verkehrspolitischer Weichenstellungen auf die Unternehmen und ihre Arbeitnehmer einbezieht. Es ist dabei geboten, notwendige Veränderungen nicht hektisch zu überstürzten, sondern klug vorzunehmen und dabei auch die Wirtschaft in Form eines Masterplan-Prozesses einzubeziehen“, sagte Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main (HWK) und Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) hatten mehr als 300 Mitglieder der Kammern sowie die Kooperationspartner der Dachverband der Frankfurter Gewerbevereine, der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen und der Handelsverband Hessen-Süd 1005 repräsentativ ausgewählte Menschen aus der Bevölkerung befragt. Davon jeweils rund 500 aus Frankfurt und den unmittelbar an die Stadt angrenzenden Gebietskörperschaften. Ziel war es, Erkenntnisse zum individuellen Mobilitätsverhalten, den Erwartungen an eine gute Mobilitätsinfrastruktur sowie zur Haltung in Bezug auf aktuelle Themen der Verkehrspolitik zu gewinnen. Durchgeführt wurde die Umfrage vom renommierten Meinungsforschungsinstitut forsa. Professor Manfred Güllner, Geschäftsführer von forsa, stellte die Ergebnisse vor. Die Umfrage bietet aus Sicht der Kammern und Verbände eine gute Datenbasis, um sich den Fragen der Mobilität schnell und mit großer Entschlossenheit zu widmen. Für keinen Wirtschaftsstandort in Deutschland habe „eine gute Erreichbarkeit und vernetzte Mobilität eine solch hohe Bedeutung wie für Frankfurt/Rhein-Main mitten in Deutschland, mit dem größten Flughafen und dem zentralsten Bahnhof des Landes“, sagte Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt „Wenn wir heute mehr Einwohner, mehr Arbeitsplätze und mehr Warenverkehr haben, brauchen wir einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und keinen Rückbau. Es fehlt ein durchdachter Gesamtverkehrsplan, der alle Verkehrsmittel nach ihren jeweiligen Stärken sinnvoll miteinander vernetzt und so die Mobilität zukunftsfest macht. Nur so können wir den Warentransport oder die Erreichbarkeit von Unternehmen für Kunden und Arbeitnehmer langfristig sicherstellen. Ich appelliere an die Stadt, einen breiten öffentlichen Dialog zur Mobilität der Zukunft zügig zu beginnen“, forderte Caspar.

Vertreter des Dachverbandes Frankfurter Gewerbevereine, des Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga Hessen und des Handelsverbandes Hessen-Süd ergänzten, dass es bei Unternehmen, deren Kunden sowie Arbeitnehmern eine hohe Unzufriedenheit mit der verkehrlichen Situation und dem strategischen Umgang mit dem Thema in Frankfurt und in der Region gebe. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf in Form eines koordinierten und moderierten Prozesses. Einig war man sich darin, dass die Politik sicherstellen müsse, dass auch in Zukunft eine schnelle und zuverlässige Mobilität am Wirtschaftsstandort Frankfurt/Rhein-Main möglich ist. Viele Mitglieder der Kammern und Verbände hatten sich bereits in den vergangenen Wochen und Monaten bei einer Videoaktion zusammengeschlossen und ihre Anliegen vorgetragen.

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