Bürger erinnern sich in der Paulskirche an Deutschen Widerstand von 1933 bis 1945

75 Jahre nach dem 20. Juli 1944

Auf dem Weg zur Kranzniederlegung: In der zweiten Reihe Oberbürgermeister Peter Feldmann und Gastredner Thomas Karlauf. Foto: p

Altstadt (red) – „Jedem der Widerstandskämpfer des 20.

Juli gebührt unser Respekt: Für ihre Entschlossenheit, ihre Opferbereitschaft und ihren Willen, den Krieg zu beenden, der nach dem gescheiterten Attentat noch viele Opfer forderte“, resümierte Peter Feldmann bei einer Gedenkveranstaltung in der Paulskirche. 75 Jahre nach dem Stauffenberg-Attentat hob er die Bedeutung des Widerstandes aller Frauen und Männer von 1933 bis 1945 hervor. Der bedeutendste Umsturzversuch des militärischen Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus’ ereignete sich am 20. Juli 1944. Dort hinterließ Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Aktentasche mit Sprengstoff und verließ die Lagebesprechung vorzeitig. Um 12. 42 Uhr detonierte der Sprengsatz. Vier Personen kamen ums Leben, neun weitere wurden schwer verletzt, doch das eigentliche Ziel des Anschlags, Adolf Hitler, überlebte.

Stauffenberg flog im Glauben, dass sein Anschlag geglückt sei, zurück nach Berlin. Erst nach seiner Ankunft erfuhr er, dass Hitler überlebt hatte. Noch in der Nacht wurde Stauffenberg erschossen. Die Verfolgung durch die Gestapo zog hunderte weitere Verhaftungen und Hinrichtungen mutmaßlicher Attentäter oder vermeintlicher Mitwisser nach sich. Familienangehörige wurden in sogenannte „Sippenhaft“ genommen.

Heute gilt das Stauffenberg-Attentat als Inbegriff des Widerstandes zur Zeit des Nationalsozialismus’. In seiner Rede bei der Gedenkveranstaltung wies Thomas Karlauf, Autor des Buches „Stauffenberg: Porträt eines Attentäters“, darauf hin, dass es sich ursprünglich nicht um einen Aufstand des Gewissens handelte. Im Nachhinein hätten sich die militärisch-politischen Motive der Verschwörer aber als moralisch richtig erwiesen, und deshalb sei der 20. Juli mit Recht zum zentralen Gedenkort geworden. „Wie auch immer wir das Attentat historisch bewerten: Stauffenbergs Konsequenz, sein Mut und seine Entschlossenheit sind in höchstem Maße bewundernswert“, führte Karlauf aus.

Abseits des 20. Juli war der Widerstand gegen das NS-Regime vielfältiger als viele annehmen: „Widerstand begann im Kleinen mit der Verweigerung des Hitlergrußes, mit der Produktion oder Verteilung von Flugblättern und setzte sich im Großen mit dem Verstecken von Verfolgten oder dem Planen eines demokratischen Deutschlands fort“, blickt das Stadtoberhaupt zurück.

Egal ob die Motive religiöser, politischer oder militärischer Natur gewesen seien – die damit verbundene Gefahr, gefoltert zu werden, in Gefangenschaft zu enden oder mit dem Leben zu bezahlen, sei ein ständiger Begleiter gewesen. „Allein das ist Grund genug, all denjenigen dankbar und aufrichtig zu gedenken, die sich tapfer erhoben und der Unfreiheit, der Diktatur und dem Hass entgegengestellt haben“, sagte Oberbürgermeister Feldmann.

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