Ehemaliger Europa-Abgeordneter Daniel Cohn-Bendit spricht in der Frankfurt UAS

„Die höhere Wahlbeteiligung ist ein wichtiges Zeichen“

Daniel Cohn-Bendit bei seiner Rede in der Frankfurt UAS: Er lebt für Europa. Doch es fällt ihm in diesem Jahr schwer, die Wahlergebnisse zu interpretieren. Foto: Mag

Nordend West (nma) – Kurz nach der Europawahl lud das Frankfurter Center of Applied European Studies (CAES) zu einem Vortrag mit dem ehemaligen Europa-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit ein.

Dieser sollte das Ergebnis der Wahl aus seinem Blickwinkel beschreiben und versuchen, in Europas Zukunft zu blicken. Das Interesse der Frankfurter an dem Vortrag war enorm.

Damit hatten die Studenten an der University of Applied Sciences nicht gerechnet. Kurzfristig hatten sie den Vortrag von Daniel Cohn-Bendit bereits von einem kleineren Raum in den gigantischen Audimax am Campus verlegt. Die hinteren Reihen im Hörsaal hatten die Studenten abgesperrt, denn die Leute sollten sich weiter nach vorne setzen. Doch immer mehr Menschen strömten in den gigantischen Hörsaal, bis schließlich alle Reihen zum Sitzen freigeben wurden. Sogar auf den Treppen haben sich einige Zuhörer postiert, als Michel Friedmann, Geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies, die Anwesenden begrüßte.

Gewohnt direkt schnitt er vor dem Vortrag seines langjährigen Bekannten Cohn-Bendit einige der wichtigsten europäischen Themen an: „Wir müssen über die Briten reden, denn aktuell sind sie noch Teil der EU“, sagte Friedmann und äußerte sich dann über das Chaos, das dort herrsche: „Das britische Parlament wäre in der Muppet-Show besser aufgehoben.“ An dieser Stelle erhielt er nicht zum einzigen Mal in seiner Begrüßungsrede Szenenapplaus. Daniel Cohn-Bendit fing seine Rede in der Vergangenheit an: „1945 war ein Europa, wie wir es heute haben, etwas Unvorstellbares“, erklärt der ehemalige EU-Abgeordnete und Umweltminister Hessens. Die Europäische Union nach den vielen Jahrhunderten voller Krieg aufzubauen, sei eine zivilisatorische Leistung unvergleichlichen Ausmaßes. Die vergangene Europa-Wahl zu interpretieren, falle ihm schwer, gestand er den zahlreichen Anwesenden. „Die deutlich höhere Wahlbeteiligung ist ein wichtiges Zeichen. Die grüne Welle außerdem ein weiteres Merkmal dieser Wahl“, sagte er.

Die Ergebnisse seien nüchtern zu interpretieren. In Frankreich, wo die Partei von Rechtspopulistin Marine Le Pen stärkste Kraft wurde, habe er eine interessante Beobachtung am Wahltag gemacht: „Bis zum frühen Abend war Le Pen weit vorne“, schilderte Cohn-Bendit. Doch in den letzten Stunden, in denen die Wahllokale noch geöffnet hatten, sei ihr Ergebnis deutlich gefallen. „Offenbar haben sich viele Franzosen von den hohen Werten am Nachmittag noch mobilisieren lassen.“

Die EU-Wahl sei beruhigend und erschreckend zugleich. In Deutschland und Frankreich seien die Grünen nun deutlich stärker, doch auch die AfD oder Rechtspopulist Matteo Salvini in Italien hätten deutlich gewonnen: „Salvinis Modell ist Mussolini“, lautet die klare Ansage von Cohn-Bendit gegenüber dem Italiener.

„Die AfD ist nun zwar existent, wird in der Politik der Zukunft aber keine Rolle mehr spielen“, ist sich der ehemalige Abgeordnete sicher. Europa stehe nun allerdings vor einem Problem – und zwar dem der sozial-ökologischen Modernisierung, die sich vor allem junge Menschen wünschen. Um das in Europa möglich zu machen, werde eine deutsch-französische Initiative benötigt, meint er. „Doch wie lange kann Macron warten, bis im Kanzleramt jemand sitzt, der Europa wirklich mitgestalten möchte?“, fragte Cohn-Bendit rhetorisch in die Runde.

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