16. Langer Tag der Bücher mit acht Verlagen im Haus am Dom

„Heut’ ist der schönste Tag“

Hans Sarkowicz (von links), Stefan Sprang und Sewastos Sampsounis stellen den Roman „Ein Lied in allen Dingen“ vor. Foto: Faure

Innenstadt (jf) – Acht Frankfurter Verlage bestritten am Wochenende acht Stunden Literatur im Haus am Dom beim 16. Langen Tag der Bücher.

Eröffnet wurde der Blick auf die neuesten Verlagsproduktionen von Organisator Florian Koch, der um elf Uhr bereits vor einem gut gefüllten Saal sprach: „Neu in der Runde ist der Größenwahn-Verlag, er nimmt den Platz des Stroemfeld-Verlags ein, der leider im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste.“ Außerdem wies Koch auf den elften Bouqinistenmarkt im Haus hin, fünf Antiquariate hatten ihre Tische im Foyer und im Treppenhaus aufgestellt.

In der ersten Runde wurde das Buch „Wir haben keinerlei Kompromisse zugelassen“, Henrich Editionen, vorgestellt, das sich mit der 1886 gegründeten privaten Anna-Schmidt-Schule und ihrer Leiterin Käthe Heisterbergk beschäftigt. „Die Rex“, wie die Leiterin genannt wurde, manövrierte die Mädchenbildungseinrichtung von 1928 bis 1945 durch schwierige Zeiten.

Mit Schmidt ging es auch in Runde zwei weiter. Zwar blieb man in der gleichen dunklen Zeit, im Mittelpunkt allerdings stand ein Mann: Joseph Schmidt. Der Größenwahn-Verlag brachte unter dem Titel „Ein Lied in allen Dingen“ gerade den ersten Roman über den großen, aber nur 1,54 Meter messenden Sänger heraus. Hans Sarkowicz unterhielt sich mit dem Autor Stefan Sprang über dessen zweites Buch. Vorab jedoch wurde es technisch anspruchsvoll: Verleger Sewastos Sampsounis rief über sein Smartphone YouTube auf, über das Saalmikrofon erklang dann „Heut’ ist der schönste Tag in meinem Leben“ im Raum. „Wenn es mal nicht mehr mit dem Verlegen klappt, könnte Sewastos Sampsounis ja als DJ auftreten, wie er soeben bewiesen hat“, scherzte Sarkowicz über die geglückte musikalische Einlage.

Stefan Sprang stieß 1992 in Neukölln auf Joseph Schmidt, in der künftigen Studentenwohnung fand er ein Doppelalbum des Sängers. „Das hat mich sofort gepackt“, bekannte Sprang. Damals war die Recherche schwierig; Smartphones gab es noch nicht, YoutTube kam erst 2005. „Aber eine Biografie von Fassbind war gerade veröffentlicht worden, die erwarb ich und stellte später fest, dass sie Lücken hat“, bemerkte Sprang. Deshalb also der Roman? „Ja, ich wollte die emotionalen Seiten hinter den Fakten aufdecken“, erklärte der Autor. Den Spielfilm „Ein Lied geht um die Welt“ (1958) sah Sprang ebenfalls: „Er ist ein bisschen zu verkitscht und auch verfälscht.“

Schmidts Leben endete tragisch. Er floh 1933 aus Deutschland nach Wien und 1942 in die Schweiz. Dort erhielt er allerdings keine Auftrittserlaubnis – die kam erst zwei Tage nach seinem Tod. Der 1904 Geborene wurde nur 38 Jahr alt. Er war ein Star seiner Zeit.

In den folgenden sechs Stunden stellten der Fischer Verlag, die Frankfurter Verlagsanstalt, der Axel Dielmann Verlag, Weissbooks.w und der Societäts-Verlag ihre Novitäten vor. Der Verlag der Autoren gab Einblicke in seine Arbeit.

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