Weltrekord verpasst, Fest gelungen

Grüne-Soße-Tag: Das Frankfurter Leibgericht in fast aller Munde

Schauspieler stellten fast 100 Mülltonen mit Performance vor.

Frankfurt (zmo) – Ein Tag, an dem der Weltrekord im „Grüne-Soße-Essen“ erreicht werden soll, und der pikanterweise nur in Frankfurt ausgetragen werden darf, lässt das allgemeine Tagesgeschehen ein wenig in den Hintergrund treten: In Kantinen, an zahlreichen Ständen auf der Sportlermeile am Mainufer, in Fünf-Sterne-Hotels und Krankenhäusern, in kleinen Betrieben, aber auch in Dax-Unternehmen, an der Börse, im Kaufhaus My Zeil und sogar in Kindertagesstätten, Schulen und an der Uni gab es am Donnerstag fast ausschließlich Grüne Soße zu essen.

Die Oberräder Gärtner haben bei diesen gewaltigen Mengen sicher zusätzliche Äcker anmieten müssen. .

Viele Schulen verlagerten am Weltrekordtag sogar ihren Unterricht auf den Römer. Es gab keine Mathestunde, sondern es ging um Fragen wie: „Wie heißen die berühmten sieben Kräuter der ,Grie Soß’’?“ und „Wie werden sie eingesät und gepflegt?“

Den vielen Frankfurtern, die stolz darauf sind, dass Goethes Mutter Aja die Grüne Soße erfand – die von ihrem Sohn mit Heißhunger verschlungen wurde – muss leider gesagt werden, dass diese Geschichte erfunden ist. Goethe kannte diese Speise wahrscheinlich gar nicht. Ihm schmeckte mehr der weiße Spargel ohne alles, weil dazu der Wein besser passte: So eine der vielen Geschichten, die ebenfalls erzählt werden.

Den Weltrekord knapp verpasst

Dennoch ist Frankfurt die Stadt der „Grünen Soße“ – ohne „Wenn“ und „Aber“. Zwar hatten schon die Römer vor 2000 Jahren ähnlich klingende und auch so schmeckende Gerichte, ebenso die Engländer und Franzosen im 16. Jahrhundert. Offenbar waren aber alle keine Feinschmecker: Denn sie überließen das Gericht letztlich den Frankfurtern, die dann um 1840 herum feststellten, dass ihnen die „Grüne Soße“ schmeckte. Und so legten die Mitglieder der Kräuterfamilie Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie und Kresse bis zum jetzigen Weltrekordversuch eine beeindruckende Karriere hin.

231.775 Portionen dieses Frankfurter Nationalessens hätten gegessen werden sollen – an einem Tag! Ein unabhängiges Institut aus Hamburg hat in Mannschaftsstärke geprüft, ob alle Kriterien erfüllt wurden. Es fehlten aber schließlich rund 50.000 Portionen, die Frankfurt zu einer Weltrekordstadt gemacht hätten.

Schauspielerin Maja Wolff, Torsten Müller und ihr Team vom Grüne-Soße-Festival bedienten alle Instrumente, um den Weltrekord zu realisieren. Es gab kaum eine Firma in Frankfurt, die nicht aufgesucht oder angeschrieben wurden, um sie zum Mitmachen zu bewegen. Es wurde eine lange Liste, die Mut machte, dass es dieses Jahr klappen könnte.

Auch die Grüne Umweltdezernentin Rosemarie Heilig hat den Tag genutzt, um ihr Projekt „Sauberes Frankfurt“ in Szene zu setzen: In einer Modenschau präsentierten Schauspieler des Theaters „Antagon“ auf dem Laufsteg „Frankfurts Next Top Tonne“. Kitas aus allen Stadtteilen konnten hier ihre Kreativität einsetzen, um aus Mülltonen Kunstobjekte zu machen. Fast 100 von der FES gesponserte mausgraue Behälter, präsentierten sie in der Show in den buntesten Kreationen: Ein ereignisreicher Tag für die vielen kleinen Künstler. Und der Katzenjammer über den verlorenen Rekord sollte bald vorbei sein: Denn die Stadt hat sich von ihrer besten Seite gezeigt. Mehr Bilder dazu gibt es auf Seite 10 und 11.

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