Im Tunnel unter dem Main zwischen Südbahnhof und Hauptwache zu Fuß unterwegs

Großbaustelle pünktlich fertig

Die Gruppe Stadträte, der VGF-Aufsichtsrat und VGF-Experten bei der Begehung des Tunnels. F.: Faure

Frankfurt (jf) – Vom Südbahnhof bis zur Hauptwache sind es unter der Erde nur knapp 2,4 Kilometer, Besichtigung der Wendeanlage am Südbahnhof inklusive. Eine Strecke, die sich zu Fuß in 40 Minuten bewältigen lässt.

Es sei denn, man ist auf Stegen und Schwellen im Tunnel unterwegs und bewundert einen Abschnitt, auf dem während der sechswöchigen Vollsperrung viel vorankam. Es wurden zwischen Südbahnhof und Heddernheim 17 Weichen ausgewechselt, 32. 473 Meter Strom- und Deckenkabel installiert, 20. 000 Sammelhalter in die Wände gebohrt, zwölf Kilometer Schienen geschliffen, fünf Überwege sowie 83 Oberleitungsmasten erneuert und der nichtöffentliche BOS-Funk eingerichtet. Um nur die Schwerpunkte auf den rund acht Kilometern Baustelle zu nennen.

„Wir haben sechs außerordentliche Wochen hinter uns“, würdigte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. Er habe wenig Beschwerden aus der Bevölkerung erhalten, als der Betrieb der Linien U1, U2, U3 und U8 am 1. Juli eingestellt und die inzwischen fast 51 Jahre alte A-Linie nahezu stillgelegt wurde. Es habe zu Beginn Verwirrung, aber viel Verständnis gegeben. 36 Busse aus dem Bundesgebiet verkehrten im Schienenersatzverkehr.

„Zwischen Eschenheimer Turm und Konstablerwache sind die Busse durch Straßen gefahren, die noch nichtmal jeder Frankfurter kennt“, sagte der Stadtrat. Eine Umfrage ergab, dass 80 Prozent der Teilnehmer einer mehrwöchigen Vollsperrung den Vorzug gegenüber vielen kleinen Sperrungen gaben.

Kämmerer Uwe Becker unterstrich: „Es war richtig, den Schienenverkehr vor Jahren an die Verkehrsgesellschaft zu übergeben. Das ist auch ein Plädoyer für die kommunale Wirtschaft. Bei 125.000 Fahrgästen täglich auf der A-Strecke war die Vollsperrung wie eine OP am offenen Herzen.“

Michael Rüffer, Technischer Geschäftsführer der VGF: „In anderen Ländern wie den USA wird auf Verschleiß gefahren und irgendwann entschieden, ob eine Sanierung von Strecken noch lohnt. In Frankfurt ist das glücklicherweise anders.“ Die Großbaustelle habe gewaltige Anstrengungen mit Schichtbetrieb rund und Urlaubsverzicht erfordert, aber sie ist rechtzeitig fertig geworden. „Hier verkehren während der Betriebszeiten alle zweieinhalb Minuten U-Bahnen rechts und links“, erklärte Rüffer vor der Wendeanlage am Südbahnhof. Noch konnte man an diesem Abend gefahrlos unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften laufen, am zweiten Augustwochenende begannen die Testfahrten, damit die Strecke pünktlich zu Betriebsbeginn genutzt werden konnte.

15 Minuten brauchte die Gruppe bis zum Schweizer Platz. Dort gibt es unter dem Gleis Schottermatten, die dafür sorgen, dass Erschütterungen nicht auf das Stationsgebäude übertragen werden. Ein paar hundert Meter weiter befindet sich ein Wehrtor – rund 21 Meter unter dem Mainwasserspiegel. Zwei weitere folgen bis zum Willy-Brandt-Platz. Alle fünf Jahre werden diese Sicherheitstore getestet, eine aufwendige Prozedur, weil der Fahrdraht abgeklemmt werden muss. Benötigt wurden die Tore noch nie. Das möge so bleiben.

Trockenen Fußes unter dem Main hindurchzulaufen, dort, wo man sonst mit der U-Bahn nur zwei Minuten von einem Ufer zum anderen braucht, ist etwas Besonderes. Alle Achtung vor den Bauarbeitern, die unter oft beengten Verhältnissen und bei heißen Temperaturen im Tunnel ihre Aufgaben erfüllten.

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