Schopenhauer-Studio in der Universitätsbibliothek mit Ausstellung zum Hauptwerk des Philosophen

Gleiche Umgebung: Jeder lebt in anderer Welt

Jessica Zülch (links) und Petra Schneider im Schopenhauer-Studio: Rechts neben ihnen ist der Armlehnstuhl des Philosophen zu sehen. Foto: Faure

Bockenheim (jf) – Das Schopenhauer-Studio befindet sich gleich links hinter dem Eingang in die Universitätsbibliothek.

„Ferdinand Kramer entwarf das Gebäude 1964, bereits ein Jahr später wurde die Universitätsbibliothek – damals bereits barrierefrei und modern – eröffnet“, erklärt Mitarbeiterin Jessica Zülch. Ein Modell des Baus steht links am Eingang des Studios. Rechts, hinter Glas, ist ein runder Armlehnstuhl zu sehen. „Er ist drehbar, weich gepolstert und stammt aus dem Nachlass von Arthur Schopenhauer“, erläutert Kollegin Petra Schneider.

Seit 2005 gehören Stadt- und Universitätsbibliothek sowie Senckenbergische Bibliothek zusammen und tragen den Namen „Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg“. Die Bibliothek beherbergt auch das Schopenhauer-Archiv. Der neue multifunktionale Ausstellungsraum widmet sich auf 188 Quadratmetern mit seiner ersten Exposition dem 200. Jahrestag des Erscheinens von Arthur Schopenhauers Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“. Es geht um die Bereiche Erkenntnistheorie, Ethik, Ästhetik und Naturphilosophie. „Es ist keine biografische Ausstellung, es gibt keinen vorgeschlagenen Rundgang. Jeder kann sich dem zuwenden, was ihn besonders interessiert“, bemerkt Zülch. Über den Vitrinen und den roten Sitzstufen schweben halbtransparente Banner mit Gedanken Schopenhauers, mit Zitaten von Schülern, Studenten, Professoren. In einer Vitrine sind Schopenhauers Brille, sein Prisma und Bücher mit seinen Randbemerkungen ausgestellt. Der Philosoph hat eine deutliche Schrift – aber sie ist ungewohnt, man muss sie sich erarbeiten.

„,Die Welt als Wille und Vorstellung’ wurde in viele Sprachen übersetzt. Gerade wird in Kanada eine neue Edition vorbereitet“, berichtet Mathias Jehn, der mit Matthias Koßler die Ausstellung kuratiert. Verschiedene Ausgaben des Werkes sind in einer Vitrine zu sehen. „Schopenhauer war in anderen Ländern bekannter als in Deutschland. In der eigenen Heimat hatte er es nicht leicht.“ Beispielsweise gingen die Studenten um 1820 an der Berliner Universität lieber zu den Vorlesungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Was Schopenhauer ziemlich ärgerte.

Schopenhauer, der sich für außerordentlich viele Wissensgebiete interessierte, ließ sich 1833 endgültig in Frankfurt nieder, bezog aber erst zehn Jahre später eine eigene Wohnung an der Schönen Aussicht. Das Sofa, auf dem der oft verkannte Philosoph starb, ist hoch über den Vitrinen in einer besonderen Ecke zu sehen.

Seine Affinität zu Pudeln ist allgemein bekannt, der Hund und Begleiter, der aus Altersgründen mehrmals ersetzt werden musste, hieß immer Atman. Ärgerte sich der Philosoph über den Hund, nannte er ihn „Mensch“. Und Schopenhauer war auch Mitglied in einem Tierschutzverein. 1860 starb der Philosoph, erst 1911 wurde in Kiel die Schopenhauer-Gesellschaft, die heute ihren Sitz in Frankfurt hat, gegründet. „Schopenhauer ist zeitlos und bietet immer wieder Anlass, sich mit ihm zu beschäftigen“, sagt Jehn.

Bis zum 19. Januar ist die Schau in der Unibibliothek zu sehen, Veranstaltungstermine sind auf ub.uni-frankfurt.de zu finden. In Frankfurt gibt es außerdem eine weitere Exposition: Im Historischen Museum zeigt die Kabinett-Ausstellung „Schopenhauers Frankfurt“ die Mainstadt im Zusammenhang mit dem Leben des Philosophen.

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