Skulptur von Ariel Schlesinger schmückt den Vorplatz des Jüdischen Museums

Ein gespiegelter Baum verbindet Vergangenheit und Gegenwart

Künstler Ariel Schlesinger im Gespräch mit Mirjam Wenzel, dahinter die Skulptur mit dem Namen „Untitled“. Foto: Faure

Innenstadt (jf) – Noch stehen Gerüste, ist der Bertha-Pappenheim-Platz zwischen Hofstraße und Untermainkai eine Baustelle. Und mitten drin ragt eine elf Meter hohe Skulptur in den Himmel.

„Zum letzten Mal treffen wir uns auf unfertigem Terrain vor der Eröffnung des erweiterten Jüdischen Museums im nächsten Jahr“, verkündete Kulturdezernentin Ina Hartwig. Vor zweieinhalb Jahren hat der 1980 in Jerusalem geborene Künstler Ariel Schlesinger, der inzwischen in Berlin lebt, mit seinem Entwurf den Wettbewerb gewonnen. Einen Titel trägt seine Skulptur nicht. Aber: „Die Jury war höchst angetan von der poetischen Formensprache des Künstlers“, bemerkte Hartwig.

Die Skulptur erzähle von Verbundenheit und Entwurzelung gleichermaßen und lasse an den symbolischen Lebensbaum denken. Dank großzügiger Spenden der Barone David und Eric de Rothschild und des Stuttgarter Unternehmers Klaus Mangold konnte das Projekt realisiert werden. „Die Skulptur wird den Platz zieren und prägen“, ist sich die Kulturdezernentin sicher.

„Als ich vor mehr als vier Jahren das erste Mal mit Eric de Rothschild sprach, beeindruckte mich seine Haltung angesichts des wieder aufflammenden Antisemitismus. Er sagte: ‚Jeder Jude steht vor der Frage, ob er sich wegducke oder bekenne. Mit der finanziellen Unterstützung bekenne ich mich.’“, erklärte der ehemalige Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums. „Uns war die Gestaltung des Platzes wichtig. Der Besucher soll schon vor dem Betreten des Hauses ein Gespür für den Ort bekommen“, verdeutlichte von Schoeler. Doch bevor das Kunstwerk aufgestellt wurde, waren viele Fragen zu klären.

Vor dem Gespräch mit dem Künstler bemerkte Museumsdirektorin Mirjam Wenzel: „Ariel Schlesinger hat sich in der Kunstszene einen Namen gemacht. Er verfremdet Alltagsgegenstände und initiiert so neue Assoziationen.“

Schlesinger betonte, dass es für ihn eine große Ehre gewesen sei, die Skulptur zu schaffen. „Mit meinem Entwurf wollte ich etwas Natürliches erarbeiten, das Trauma und Geschichte zusammenbringt.“ Es ist seine erste Skulptur im öffentlichen Raum. „Zwei Elemente kommen zusammen wie die Finger zweier Hände. Das Taktile spielt eine große Rolle. Die Installation hat mit Beziehungen zu tun, sie hat etwas Menschliches, dazwischen fließen Energien“, sagte der Künstler und bedankte sich bei allen, die mithalfen, das Werk zu realisieren und aufzustellen.

„Es ist ziemlich aufregend, die Skulptur nun vor Ort zu sehen. Und es fühlt sich richtig an.“ Schlesinger widmete das Werk seiner Großmutter, einer Holocaust-Überlebenden. Im Inneren sind Namen seiner Familie verborgen – ein Wunsch der Großmutter.

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