Gerüstbauer blicken auf Reise zurück

Frankfurter erkunden die USA

Walter Stuber (links) und Dirk Eckart vor dem Sitz der Firma Linked In in Silicon Valley. Foto: p

Frankfurt (red) – Um sich in Deutschland am Markt zu behaupten, muss man Vorreiter in vielen Dingen sein.

So hat aktuell kein anderes Gerüstbauunternehmen in der Bundesrepublik derart viele Zertifizierungen vorzuweisen wie die Gemeinhardt Gerüstbau im sächsischen Roßwein mit Niederlassungen in Braunschweig und Frankfurt. Technische Innovation wird hier großgeschrieben: So sind die 44 Mitarbeiter durch eine Firmen-App immer auf dem neuesten Stand, die Buchhaltung läuft vollständig digital ab, die Baustellen werden digital verwaltet.

„Um weiter vorn zu bleiben, haben wir uns im Oktober auf den Weg in die USA gemacht. Bei einer Unternehmerreise mit Jörg Knoblauch von Tempus-Consulting wollten wir in Silicon Valley aus erster Hand erfahren, was die nahe und auch die ferne Zukunft an Innovationen jeder Art bringen wird und das natürlich speziell auf unser Unternehmen gesehen“, verrät Geschäftsführer Dirk Eckart.

Neben Besuchen bei Apple und Linked In konzentrierte sich die Gruppe auf Innovations-Companys, die Start-ups entwickeln. „Ganz besonders hat es uns das junge Team von Humu angetan, das Arbeit durch künstliche Intelligenz und wissenschaftlichen Fortschritt besser machen will“, sagt Eckart: „Aber wir lernten auch die Schattenseiten des Booms im Silicon Valley kennen. Bei unserer Mutmacher-Buchlesung in der evangelischen deutschsprachigen St.-Matthäus-Kirchgemeinde in San Francisco erfuhren wir von Auslandsvikarin Tia Pelz, dass die Mieten und auch die Bodenpreise explodieren“, informiert Geschäftsführer Walter Stuber. Schaut man sich die in Deutschland geltend zu machenden steuerlichen Übernachtungspauschalen bei Dienstreisen in die kalifornische Großstadt an, so liegen diese pro Nacht bei 314 Euro. Dies ist die höchste Pauschale weltweit. Kein Wunder also, dass unter fast jeder Brücke in San Francisco und den Nachbarstädten viele Zelte zu sehen waren, in denen Menschen leben, die es finanziell nicht geschafft haben.

„Auch in Silicon Valley leben Menschen in Autos, weil sie trotz guter Jobs die extrem hohe Miete nicht zahlen können. Duschen müssen sie bei der Arbeit – manche schlafen gleich am Arbeitsplatz. Aber am meisten schockiert hat mich die Geschichte von Leah und ihren siebenjährigen Sohn Theo, die mir Tia Pelz berichtete“, erzählt Stuber: Die beiden wohnten in der Nähe der Kirche in einem Zelt. Seit fünf Jahren waren sie schon obdachlos. Leah verließ damals ihre Wohnung, die sie mit ihrem Mann teilte, weil sie von ihm missbraucht und geschlagen wurde. Für sie war das die einzige Möglichkeit, um ihren Sohn zu schützen. Zunächst lebten sie von ihrem Ersparten in Motels. Als das Geld ausging, musste ein Zelt als Schlafplatz herhalten. Zwar hatte sie im Laufe der Jahre mehrfach einen Wohnungsgutschein von der Stadt bekommen, aber wer vermietet schon gerne an Obdachlose? Die Vorurteile und Ängste der Vermieter waren groß. Dazu kam, dass Leah während der Schwangerschaft erkrankte und seitdem als schwerbehindert und arbeitsunfähig eingestuft wurde. Leah kümmerte sich trotz aller Schwierigkeiten liebevoll um ihren Sohn. Theo besucht mittlerweile die erste Klasse und bekommt in der Schule Frühstück, Mittagessen und einen Nachmittagssnack. „Mich rührt das Schicksal von Mutter und Sohn ganz besonders. Natürlich gibt es auch direkt vor unserer Haustür Menschen, die unverschuldet in die soziale Schieflage gekommen sind. Aber durch die Schilderungen von Tia Pelz haben die beiden mein Herz erobert. Deshalb unterstütze ich sie nun finanziell. Wir alle in Deutschland können froh sein, in einem Sozialstaat leben zu dürfen“, findet Stuber.

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