Auf Campus der Goethe-Uni

Jürgen Habermas von Feueralarm unterbrochen

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Großer Denker am Rednerpult: Jürgen Habermas philosophiert am Campus Westend über das Verhältnis von Sittlichkeit und Moral.

Westend (nma) – Fast 3000 Menschen stürmten in der vergangenen Woche das Hörsaalzentrum der Frankfurter Goethe-Universität. Grund dafür war Jürgen Habermas. Als einzigen lebenden deutschen Philosophen von Weltrang bezeichnen ihn Medien. Habermas war zurück an seine alte Wirkungsstätte in Frankfurt gekommen, um einen Tag nach seinem 90. Geburtstag einen Vortrag zu halten. Leider kam es etwas anders.

Es herrscht großes Chaos, wenige Minuten vor Beginn des Vortrages von Jürgen Habermas. Die Mitarbeiter der Universität versuchen die Menschenmassen, die den Philosophen sehen wollen, irgendwie zu organisieren. 3000 Menschen sollten es an diesem Abend werden, die auf den Campus Westend strömen. Dafür werden neben dem großen Hörsaal HZ1, in dem Habermas sprach, noch fünf weitere Hörsäle geöffnet, in die der Vortrag live übertragen wird. Während sich im Hörsaal 700 Menschen in die Sitzreihen quetschen und sich Kamerateams und Fotografen postieren, öffnen sich die Türen und der Philosoph betritt den Saal. Es gibt stehende Ovationen und lauten Jubel. Habermas nimmt vorerst in der ersten Reihe Platz.

Von verschiedenen Seiten wird er in folgenden Begrüßungsreden begrüßt und bekommt für sein Lebenswerk gratuliert und natürlich auch zum Geburtstag. Denn einen Tag vor seinem Erscheinen in dem Frankfurter Hörsaal feierte Habermas seinen 90.. Dieser betritt schließlich das Rednerpult, spricht mit schwerer Stimme zu den Anwesenden. In seinem Vortrag soll es um das Verhältnis von Moral und Sittlichkeit gehen.

Jürgen Habermas entschuldigt sich gleich zu Beginn seines Vortrages, er habe akademischen Stoff mitgebracht. Er werde zugleich enttäuschen und strapazieren. Denn unter den 3000 Anwesenden befinden sich selbstverständlich nicht nur studierte oder studierende Philosophen, sondern viele Pressevertreter, Verantwortliche rund um die Goethe-Universität und Menschen, die sich einfach die Chance nicht entgehen lassen wollten, den bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, wie Habermas in einer der Begrüßungsreden vorgestellt wird, live zu erleben. Und tatsächlich: Habermas spricht über Kant, über Hegel oder auch Marx. Wer nur mit den Grundlagen der Werke dieser drei vertraut ist, kommt den Ausführungen kaum hinterher. Doch die sich beim Publikum einstellende tiefe Konzentration auf die Worte des Philosophen wird jäh unterbrochen. Den Anwesenden fährt der Schreck durch Mark und Bein als eine ohrenbetäubende Alarmsirene ertönt. „Verlassen Sie unverzüglich das Gebäude“, fordert eine digitale Stimme in ähnlicher Lautstärke. Der Hörsaal erhebt sich, doch nach wenigen Metern bleibt die Masse stehen. So richtig glauben, will es keiner. Uni-Präsidentin Brigitta Wolff weist jedoch am Mikrofon darauf hin, dass allein aus rechtlichen Gründen der Saal nun geräumt werden müsse.

Ruhig begeben sich die Menschen nach draußen und mit weiterem Sirenengeheul rückt die Feuerwehr an. Die Einsatzleiterin inspiziert das Gebäude eine Weile, der Alarm verstummt. Fehlalarm. Ausgerechnet an diesem Vortragsabend. Doch das soll es nicht gewesen sein. So begeben sich die Anwesenden nach längerer Unterbrechung zurück in den Saal und der Vortrag wird fortgesetzt. Habermas reagiert gelassen auf die Zwangspause. So erhalte sein Vortrag wenigstens zusätzliche Publizität, scherzt er.

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