Ausstellung zeigt Werke von beinahe vergessenen Surrealistinnen

„Fantastische Frauen“ in der Schirn

Ingrid Pfeiffer und Philipp Demandt vor dem Ausstellungsplakat in der Schirn Kunsthalle in der Frankfurter Altstadt. Foto: Faure

Altstadt (jf) – Wie der Gekreuzigte hängt ein Kolibri an einem Dornenkranz um den Hals von Frida Kahlo; „Selbstbildnis“. Farbenprächtig und heiter leuchtet das „Kornfest“ von Alice Rahon. Claude Cahun setzt sich fotografisch, surreal und selbstbewusst in Szene.

Eileen Agars „Engel der Gnade“ ist die Skulptur eines bunten Kopfes, der wie eine Collage wirkt. Zauberwesen, Tierfrauen, androgyne Gestalten bevölkern die Bilder von Dorothea Tanning.

„Sie sehen einen glücklichen Direktor, denn mit ‚Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo‘ ist uns eine aufwendige Ausstellung gelungen, die sich fast über die gesamte Schirn erstreckt“, sagte Direktor Philipp Demandt zur Preview. 260 Gemälde, Papierarbeiten, Skulpturen, Fotografien und Filme von 34 Künstlerinnen aus elf Ländern und von mehr als 80 Leihgebern sind zu sehen. Frauen-Ausstellungen haben in der Schirn Tradition. Die zurzeit laufende Schau ergänzt auch bisherige Surrealismus-Ausstellungen wie „Magritte“ 2017 oder „Surreale Dinge“ 2011.

Kuratorin Ingrid Pfeiffer knüpft an die Exposition 2011 an: „Dort haben wir Werke von 50 Künstlern gezeigt, darunter waren zwölf Frauen. Die Recherche damals war so spannend, dass wir sie fortsetzen mussten.“

Als um 1920 die Gruppe um den Literaten André Breton entstand, waren das zunächst nur Männer. Dann kamen Frauen hinzu, die am Anfang Muse, Geliebte oder Modell waren. „Erst um 1930 beginnt die bildende Kunst im Surrealen. Fast alle Künstlerinnen hatten bereits eine Ausbildung. Der Surrealismus, kein Stil, sondern eine Geisteshaltung, ist tatsächlich sehr feminin, denn nach dem Ersten Weltkrieg waren Militarismus und Patriarchat gescheitert“, sagte die Kuratorin. „Irgendwie kommt das alles uns auch heute bekannt vor.“ Breton hob die Frauen in seinen literarischen Werken auf einen Sockel, vergötterte sie. Doch in der bildenden Kunst wurden sie zerlegt.

Meret Oppenheim schuf 1936 „Le Déjeuner en fourrure/Frühstück im Pelz“ sie hatte Tasse, Untertasse und Löffel mit Fell überzogen. Die Objekte gingen noch im gleichen Jahr in den Besitz des Moma in New York und werden nie verliehen.

Die Ausstellung in der Schirn bietet wenn auch keine Pelz-Tasse (aber eine Erinnerung daran) eine Fülle von Werken der Frauen, die zwischen 1882 – Germaine Dulac – und 1928 – Emila Medkova – geboren wurden. Alle sind André Breton begegnet. „Die Gruppe um Breton war offen für Kollektivität und neue Kreativität, bot auch Raum für Autodidakten und stellte Werke aus aller Welt auf Augenhöhe aus“, sagte Pfeiffer. „Die Frauen hatten eine Chance in ihrer Zeit, sie wurden nur später, in den 1960er und 1970er Jahren rausgekickt aus dem Portfolio der Surrealismus-Ausstellungen“, unterstrich die Kuratorin. Erst 1982 zeigte das Moma die erste Einzelausstellung einer Frau, es war Louise Bourgeois, deren Skulpturen in der Schirn am Ende der Schau in einem grau grundierten Raum zu sehen sind. „Bourgeois öffnet praktisch die Tür zur Gegenwartskunst“, bemerkte Pfeiffer.

Der Kulturfonds Frankfurt/ Rhein-Main und die Dr. Marschner Stiftung unterstützten die Ausstellung, die bis zum 24. Mai zu sehen ist und anschließend ins Louisiana Museum of Modern Art in der Nähe von Kopenhagen geht. Eine Verlängerung ist also ausgeschlossen.

Die Schau wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet, darunter findet erstmals ein Schülertag für Mädchen und Jungen ab der ersten Klasse statt. Mehr Informationen gibt es unter www.schirn.de.

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