Die Erklärung der Vielen

Haltung zeigen, sichtbar werden und Austausch fördern

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Vor dem Museum versammeln sich alle Erstunterzeichner der „Frankfurter Erklärung der Vielen“.

Altstadt (jf) – Am 9. November 2018 startete die „Erklärung der Vielen“ in Berlin.

Nun gibt es auch eine „Frankfurter Erklärung der Vielen“: 57 kulturelle Einrichtungen – von der Alten Oper über das Hessische Literaturforum im Mousonturm, den Verein Kultur für alle, Radio X-Mix bis zum Städel Museum und zum Theater Grüne Soße – sind Erstunterzeichner. Es geht darum, den offenen Austausch miteinander und der Welt in einer demokratischen Gesellschaft zu bewahren und weiter zu entwickeln. „Orte von Kunst und Kultur, Bildung und Wissenschaft, Museen und Ateliers, Bühnen und Klubs, Räume für Darstellung und Diskussion sind offene Räume, die vielen gehören. Kunst und Kultur sind Ausdrucksformen von vielen und von vielem – aber unter einer Voraussetzung: Dass wir in einer pluralen Gesellschaft leben“, heißt es in der Erklärung.

Initiator Matthias Pees, Intendant des Künstlerhauses Mousonturm, fragte bereits im Herbst beim Direktor des Historischen Museums Jan Gerchow wegen einer solchen Veranstaltung an. „Das passt doch sehr gut in den Sonnemann-Saal. Leopold Sonnemann, beeinflusst von der Frankfurter Nationalversammlung, verfocht einen reformerisch-radikaldemokratischen Kurs und opponierte gegen Otto von Bismarck“, erläuterte Gerchow. Der Direktor fügte hinzu, dass sich das Historische Museum der Stadtgesellschaft stärker öffnen wolle.

Gabriele Müller vom Mousonturm informierte darüber, dass zeitgleich 14 weitere Städte eigene „Erklärungen der Vielen“ verabschieden. Sprecherin Sophie Osburg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, verwies auf die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen: Im Hintergrund des Saals waren drei Diskussionstische mit den Themen „Transformation der Institutionen“, „Antisemitismus, Rassismus, Homophobie“ und „Kulturpolitische Strategien“ aufgestellt.

„In den Erklärungen der Vielen, die jeweils regionale Bezüge haben, geht es um die Förderung der pluralen Gesellschaft und gegen eine populistische Vereinnahmung kultureller Einrichtungen“, sagte Osburg. Dabei weise Frankfurt Besonderheiten auf: Es gab bislang keine Übergriffe auf Einrichtungen. „Wir wollen ein aktives Zeichen setzen“, bemerkte Osburg. Dazu gehöre, die Vielfalt der Kulturlandschaft – inklusive der wissenschaftlichen Einrichtungen, der Galerien, Verlage und Klubs – zu erhalten. Wert legt die Frankfurter Erklärung auch darauf, eigene Positionen kritisch zu hinterfragen und Teilhabe zu gewährleisten.

„In den einzelnen Erklärungen der Städte und Regionen zeigt sich Individualität und Haltung. Die Kultur in Frankfurt lebt vom Engagement der Bürger“, unterstrich Kulturdezernentin Ina Hartwig. Die Selbstverpflichtung der Unterzeichner der Erklärung hält sie für bemerkenswert. „Wir sehen in Polen und in Ungarn, wie schnell eine demokratische Identität zerstört werden kann. In Frankreich schafft der Front National dort, wo er die Mehrheit hat, Kulturinstitutionen ab. Rechtsnationale Bewegungen sehen eine pluralistische Kulturpolitik als Feind. Die Erklärung, die ich von Herzen unterstütze, zeigt Haltung. Die Unterzeichner gehen an die Öffentlichkeit.“

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