Fünf Jahre lang gab es dank Sponsoring „Rückenwind im Job“ – im August endet das Mentoring-Projekt der Diakonie

Die eigene Zukunft in die Hand nehmen

Mentorin Kristina Reitz und ihre Mentee machen mit beim Projekt „Rückenwind im Job“ der Diakonie. Foto: Rolf Oeser/p

Frankfurt (red) – Beim Mentoring-Programm „Rückenwind im Job“ des Diakonischen Werkes treffen Frauen aus unterschiedlichen Lebenslagen und Kulturen zusammen. Auch Raj Kaur und Petra Schmeing bilden ein solches Tandem.

Wenn Kaur spricht, klingt es wie Poesie: „Ich kann zu Petra Schmeing mit ganz vielen Themen kommen, sie hat zu jeder Frage eine Antwort. Sie ist wie ein sprechendes Wörterbuch. “ Kaur, die in Wirklichkeit anders heißt, suchte Unterstützung bei dem Projekt, weil sie an ihrem Arbeitsplatz einen sehr schweren Stand hatte: „Als ich ‚Rückenwind im Job’ fand, war es der richtige Zeitpunkt, um meine Zukunft in die Hand zu nehmen. “.

„Rückenwind im Job“ startete die Diakonie in Frankfurt vor fünf Jahren. Gefördert durch die Lotterie Glücksspirale von Lotto Hessen in Höhe von rund 273.500 Euro kamen insgesamt 70 Frauen zusammen. „Mentorinnen zu finden war kein Problem, wir nutzten die Ehrenamtsbörse des Bürgerinstituts“, sagt Projektkoordinatorin Astrid Konter. Sie bietet den Mentorinnen Schulungen, Netzwerktreffen und Supervision an – so erfolgreich, dass viele Mentorinnen ihre Fähigkeiten immer wieder zur Verfügung stellen.

Konter brachte auch die in Indien geborene Kaur und ihre Mentorin Schmeing zusammen. Die Personalentwicklerin und Resilienz-Trainerin, die schon von Berufs wegen Potenziale und Stärken fördert, unterstützte Kaur auf ihrem Weg. Als unerwartet die Kündigung kam, stand Kaur ihr nicht hilflos gegenüber: „Ich wollte mich nicht länger kleinmachen, daran geht man seelisch und körperlich kaputt.“ Schmeing spricht von der „Kraft, dem Willen und der Reflexionsfähigkeit“ ihrer Mentee. Kaur strahlt bei diesen Worten. Im Austausch mit Schmeing entwickelte sie die Idee, in die Bildungsarbeit mit Erwachsenen einzusteigen, gemeinsam sichteten sie Jobangebote, formulierten Bewerbungen. Fragen kann Kaur jederzeit per Messenger-Dienst stellen. Für Schmeing wiederum ist es „sehr berührend, Fragen gestellt zu bekommen und, dass meine Antworten gefragt sind.“

Die Flugbegleiterin und die Bankerin, die Unternehmensberaterin und die Ingenieurin, aber auch die Musikwissenschaftlerin, die Finanzbuchhalterin und Journalistinnen sind unter den Mentorinnen. Von unter 30 bis 59 Jahre reicht die Altersspanne, erzählt die Projektkoordinatorin. In den Workshops setzten sich die Mentorinnen etwa damit auseinander, was es heißt, arm zu sein und als Alleinerziehende ohne gute Deutschkenntnisse Arbeit zu suchen. Von 31 Mentorinnen sind 21 noch dabei, manche seit mehr als vier Jahren, sagt Konter. Sie nennt „Rückenwind im Job“ einen wichtigen Beitrag zur Solidarität. Unter den Mentees hat etwa die Hälfte keine deutschen Wurzeln.

Kristina Reitz hat gerade ihre dritte Mentee begleitet – und viel gelernt, zum Beispiel, sich beim Kaffee trinken in Geduld zu üben. Bei der 29 Jahre alten B. strömt er nämlich nicht auf Knopfdruck: „Dafür muss man Zeit haben“, sagt diese, die ein besticktes Kopftuch trägt. „Wir rösten die grünen Bohnen. Die äthiopische Rundbauchkanne aus Ton wird mit einem Strohpinsel gereinigt, wir nehmen die besten Tassen und wir räuchern während des Kaffeetrinkens. Kaffee ist Kultur.“ Mit 22 Jahren kam sie aus Äthiopien nach Deutschland. Blieb nach der Trennung von ihrem gewalttätigen Mann als Alleinerziehende zu Hause, aber das Deutschlernen stockte, weil sie ohne Hortplatz keine Kurse besuchen konnte: „Ich hatte viele Probleme“, sagt sie: „Aber meine Freundin erzählte mir von ‚Rückenwind’.“ Kristina Reitz unterstützt sie bei der Suche nach einem Hort für ihren Sohn. Inzwischen hat B. nicht mehr so viel Angst wie früher, wenn ein Brief kommt – solche vom Wohnungsamt, Jobcenter, der Kindergeldstelle fotografiert sie und sendet sie an ihre Mentorin. Doch nach vier Durchgängen in fünf Jahren endet das Mentoring-Programm nun, die finanzielle Förderung war auf fünf Jahre begrenzt.

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