Christian Gaa ist die Kampagne wichtiger als die eigene Person

Diskriminierung klar benennen

Christian Gaa kämpft für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Foto: Faure

Frankfurt (jf) – Christian Gaa, der als studentische Hilfskraft bei der Aidshilfe Frankfurt tätig ist, hat es in die Endrunde der Wahl zum Mr. Gay Germany geschafft, ist einer von sechs Finalisten. Alles fing mit einer Mail von Enrique Doleschy, Mr. Gay Germany 2018, an.

„Er hat mich aufgefordert, mich zu bewerben. Ich war zunächst skeptisch, wollte nicht auf den Catwalk und Publikum und Sponsoren zulächeln. Aber darum geht es beim Wettbewerb nicht vordergründig. Also habe ich mich mit meiner Kampagne beworben“, erklärt der 26 Jahre alte Soziologiestudent.

Aber zum Finale trat er nicht an: „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich diesen Entschluss gefasst“, teilte er kurz vorher mit. Sein Herzblut gelte dem Streit für Menschenrechte. „Meine Kampagne, die den Arbeitstitel „#grundsaetzlichMensch“ trägt, zielt auf eine Änderung des Grundgesetzes im Artikel drei ab“, erläutert er. „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden“, lautet der Text in der Verfassung. Gaa und seine Mitstreiter möchten den Satz um die sexuelle Identität ergänzen.

Seit drei Jahren ist der Frankfurter im Vorstand der Aidshilfe, hat dort zunächst mit einem Praktikum begonnen. „Der Frankfurter Standort ist der größte in Deutschland“, erklärt er. Außerdem ist Gaa Pressesprecher des seit 2018 existierenden „Bündnisses Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt“, dem fast 20 Organisationen angehören.

Homosexualität war für ihn nie etwas Heimliches. „Vielleicht kommt das auch von den vielen Reisen“, überlegt er laut und fügt hinzu: „Natürlich hängt es damit zusammen, wo man hinfährt.“ In 72 Staaten gelten nämlich noch antihomosexuelle Gesetze. 30 Jahre nach Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, zuerst in Dänemark, steht auf Homosexualität in Afghanistan, im Iran, Jemen, in Pakistan, Saudi-Arabien und dem Sudan die Todesstrafe.

Auch in Deutschland war der Weg nicht einfach. „Im Mai 1949 wurde das Grundgesetz verabschiedet. Erst im Juni 1994 wurde der Paragraf 175 des deutschen Strafgesetzbuches gestrichen. Nun ist es an der Zeit, das Grundgesetz zu ändern“, sagt Gaa.

In diesem Kampf steht er nicht alleine da, es gibt viele, die ihn unterstützen. „Was nicht benannt wird, wird auch nicht mitgedacht. Deshalb geht es darum, Menschenfeindlichkeit klar zu benennen, Solidarität schon in der Schule zu lehren, statt des Leistungsdrucks die Erziehung von autonomen, kritischen Menschen in den Vordergrund zu stellen.“ Denn Bildung ist der Grundstein.

„Anfang des nächsten Jahres wird es den ersten Runden Tisch der Kampagne in Frankfurt geben, wir werden eine Petition zur Änderung der Verfassung starten und weitere Fragen, wie etwa Wahlverwandtschaften diskutieren“, erläutert Gaa: „Der Bewegung geht es um Selbstbestimmtheit.“

Später sei noch ein weiteres Treffen in Berlin mit Abgeordneten des Bundestags geplant. Gaa ist zuversichtlich, schließlich wird 2021 gewählt. Aber er weiß auch: In den vergangenen drei, vier Jahren sind Diskriminierung, Antisemitismus und Gewalt gegen Homosexualität angestiegen. Genau dagegen will er sich engagieren.

Mr. Gay Germany ist übrigens der zweite Frankfurter Kandidat Benjamin Näßler geworden.

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