Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung nimmt Stellung zum Recht Kranker auf das Medikament

Cannabis als Medizin einsetzen

Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der UAS. Foto: p

Nordend-West (red) – Mit dem am 10. März 2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften hat der Gesetzgeber die Möglichkeiten zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln erweitert.

Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) ist erstaunt, dass das Gesetz keine Indikationsbereiche festgelegt hat. Dies ist aus seiner Sicht für Deutschland sehr ungewöhnlich, da man sonst in Gesetzen sehr detaillierte Vorgaben mache.

Stöver sieht darin für Cannabispatienten und deren behandelnde Ärzte große Vorteile, da deren Handlungsspielraum somit vergrößert wurde. Bis Deutschland zu einer Regelversorgung mit Cannabis gekommen ist, sei es aber noch ein weiter Weg. Während im Vorfeld des Gesetzeserlasses von rund 2000 betroffenen Patienten ausgegangen wurde, sind es mittlerweile vermutlich 40.000 Betroffene, die Cannabis als Medizinprodukt nutzen.

Im zweiten Jahr nach der Gesetzesänderung hat die Zahl der Cannabisrezepte weiter deutlich zugelegt: Man kann daher heute von etwa 15.000 Patienten ausgehen, die eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen erhalten. Weitere 15.000 bis 30.000 Patienten erhalten vermutlich Privatrezepte mit oder ohne Kostenerstattung. „Cannabis ist in Deutschland leider noch kein Medikament wie jedes andere. Mit dem Cannabis als Medizin-Gesetz wurden jedoch sehr gute rechtliche Voraussetzungen geschaffen“, sagt Stöver.

Deutschland stehe mit dem Gesetz bei diesem Thema weltweit an der Spitze – zumindest auf dem Papier sei die gesetzliche Neuregelung der Therapie mit Cannabis-Medikamenten beispiellos. Das Besondere an der gesetzlichen Regelung ist die Möglichkeit einer Verschreibung durch jeden Arzt in Deutschland in Kombination mit dem Anspruch auf eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen.

„Cannabis als Medizin – Praxisratgeber für Patienten, Ärzte und Angehörige“, ISBN: 9783943787900, 19 Euro.

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