Die Fahrbibliothek der Stadtbücherei bringt Lesestoff und vieles mehr in die Stadtteile

Von Büchern und Bussen

Mitarbeiter Ronny Eckart am Arbeitsplatz mit einer Leserin. Fotos: p

Frankfurt (red) – Es gibt Fragen, die müssen sich die Mitarbeiter einer Bibliothek gewöhnlich nicht stellen.

Etwa: Unsere Haltestelle ist zugeparkt - was jetzt? Oder diese: Die Hauptverkehrsstraße ist gesperrt - wie kommen wir am schnellsten zu unserem Standpunkt? Oder: Stau auf der A66 – erreichen wir binnen 25 Minuten unseren ersten Halt in Fechenheim? Nicht nur weil sie täglich nach Lösungen für solche Fragen suchen: Norbert Schindler, Ronny Eckart, Horst Dörgeloh und Marcus Warwell sind ganz besondere Bibliothekare oder Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, kurz Famis. Sie können Bücher, Filme oder Games empfehlen, verbuchen, katalogisieren, vorbestellen, einsortieren, Veranstaltungen organisieren, Leser beraten und was man sonst noch so draufhaben muss als Mitarbeiter der Stadtbücherei Frankfurt. Aber: Sie kommen zu ihren Lesern – und zwar mit dem Bus. Eckart und Warwell sitzen sogar selbst am Steuer.

Zwölf Meter lang ist so ein Bücherbus, zwei davon sind im Besitz der Stadtbücherei. „Sie zu fahren ist nicht so schwierig“, sagt Ronny Eckart, der seit April 2015 in der Fahrbibliothek arbeitet und dafür extra einen Lkw-Führerschein gemacht hat. Sie durch die stellenweise engen Gassen der Stadtteile zu rangieren, schon: „Nach meiner ersten Tour nach Fechenheim war ich vollkommen platt.“ Eckart und Warwell müssen nicht nur ihr Fahrzeug beherrschen, sie müssen die Stadt kennen wie ihre Westentasche – aus Sicht eines Busfahrers versteht sich: „Sie fahren ohne Navigationssystem. Denn das würde uns eventuell über Straßen lotsen, die sich für ein Fahrzeug unseres Ausmaßes nicht eignen“, erklärt Norbert Schindler. Er leitet die Fahrbibliothek. Und ruft seine Kollegen immer mal wieder zusammen, um mit Blick auf den großen Stadtplan an der Wand gemeinsam die Tagestouren oder Anfahrten zu Besuchen in Kitas und Schulen zu besprechen.

Die Fahrbibliothek sitzt in der Silostraße, in einem Depot unweit der Jahrhunderthalle. Direkt hinter der Eingangstür parken die beiden Busse, die aussehen wie überdimensionale Bücherregale auf Rädern. Dahinter schließt sich eine Halle an, in der die Medien lagern, im Nebenraum haben die Bibliothekare ihr Büro. Einen typischen Arbeitstag beschreibt Schindler so: „Vormittags Hauspost erledigen, Vorbestellungen zusammenstellen, alphabetisch sortieren, für die jeweiligen Touren zurechtmachen – wir müssen wissen, welcher Leser an welcher Haltestelle auf sein Medium wartet – Busse aufräumen, Bücher nachfüllen und Neue Medien für die Präsentation heraussuchen.

Gegen zwölf Uhr Abfahrt, danach vier oder fünf Stationen bedienen, gegen 18.30 Uhr zurück ins Depot, dann die Medien für die Hauspost packen und die Busse mit Strom versorgen.“

Das Beste am Job der mobilen Bibliothekare: „Wir machen fast alles, was wir an einem festen Standort auch machen würden und sind dabei besonders nah an unseren Lesern“, sagt Schindler.

Von Montag bis Freitag schickt die Stadtbücherei ihre rollenden Bibliotheken durch Frankfurt. Romane, Sachbücher, Erziehungsratgeber, Garten- und Frauenmagazine, Hörbücher, DVDs, Comics, Koch- und Lehrbücher – in der Fahrbibliothek gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Und sollte ein Kunde doch mal etwas vermissen, kann er die Medien vorbestellen. 5500 bis 6000 davon passen in jeden Bus. Rutschfest einsortiert, damit bei den Fahrten durch die Stadt nichts durcheinander kommt.

34 Haltestellen verteilen sich über ganz Frankfurt, in einigen Stadtteilen wie Unterliederbach, Fechenheim oder Nied, fahren die mobilen Büchereien sogar zwei bis drei verschiedene Stopps an. An denen werden die Bibliothekare meist sehnsüchtig erwartet: „In der Parkstadt Nied kamen wir mal fünf Minuten später als geplant an. An unserer Haltestelle standen dicht gedrängt 20 Kinder und winkten uns begeistert zu, als wir mit unserem Bus um die Ecke bogen.“

In Preungesheim haben die Bücherbusse eine besonders treue und große Fangemeinde. Nirgendwo halten sie länger als an der Liesel-Oestreicher-Schule im Neubaugebiet Frankfurter Bogen. In den zwei Stunden Aufenthalt tummeln sich an einem frühlingshaften Freitag zeitweise mehr als ein Dutzend Kinder und Erwachsene im Bus. Manche bringen Stoffbeutel voller Bilderbücher zurück, eine Mutter sucht sich noch schnell zwei Zeitschriften fürs Wochenende aus, eine Teenagerin will wissen, ob ihre Vorbestellung schon da ist, zwei Grundschüler aus dem Hort gegenüber erklären den Bus gar als ihr Herrschaftsgebiet.

Vorn sitzt Horst Dörgeloh an einem kleinen Schreibtisch und kümmert sich um Ausleihen und Beratung, hinten Ronny Eckart, der die Rückgaben verbucht. „Der Bücherbus ist ein echter Stadtteiltreff“, sagt eine Leserin.

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