Frankfurter Familiengeschichten in Straßennamen erzählt

Brentanostraße und Bettinaplatz

Wolfgang Bunzel, dahinter Porträts der Brentano-Familie; ganz links Clemens, ganz rechts Bettine. Foto: Faure

Altstadt (jf) – Umrahmt von der Clara-Schumann-Ausstellung fand im Dormitorium des Karmeliterklosters der erste Vortrag „Frankfurter Familiengeschichte(n) in Straßennamen“ in diesem Jahr statt.

Bettina von Bethmann, Vorsitzende der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte, eröffnete an diesem Abend die insgesamt neunteilige Reihe. In den vorherigen Veranstaltungen ging es um Straßenbenennungen, die Familien Melem und Neufville. Kooperationspartner ist das Institut für Stadtgeschichte.

Wolfgang Bunzel, Leiter der Abteilung Romantik-Forschung im Goethe-Haus, berichtete über die ursprünglich aus der Gegend am Comer See in Italien stammende Familie Brentano. „Im Zentrum des Wappens ist eine Brenta – eine Weinbutte – zu sehen“, deutete Bunzel auf eine Abbildung. Alle vier Linien der Brentanos gründeten im 17. Jahrhundert in Frankfurt Dependancen. Die berühmten Geschwister Clemens und Bettine stammen aus der Linie Brentano-Tremezzo. 1698 verlegte Don Domenico Brentano den Hauptsitz seines Mailänder Handelshauses nach Frankfurt in den heute nicht mehr existierenden Nürnberger Hof – nur noch zwei Torbögen erinnern daran.

1740 erhielt Sohn Domenico Martino Brentano als erster Katholik gegen 1000 Taler das Frankfurter Bürgerrecht. Sohn Peter Anton Brentano – mittlerweile wurden die italienischen Vornamen Pietro und Antonio eingedeutscht – kaufte 1777 das Haus zum Goldnen Kopf in der Großen Sandgasse. „Das war nicht nur einfach ein Haus, sondern ein vierseitiger Palazzo“, erklärte Bunzel. Auch von diesem Prachtbau ist nach dem Zweiten Weltkrieg nichts mehr übrig geblieben, und Frankfurt verzichtete auf einen Wiederaufbau. „Nur als Anmerkung: Bereits um 1920 war im Haus zum Goldnen Kopf ein Romantik-Museum geplant“, verriet der Referent.

Peter Anton Brentano hatte mit drei Frauen 20 Kinder, darunter Clemens und Bettine, und gehörte zu den bedeutendsten Handelsherren im Frankfurt des 18. Jahrhunderts. „In Brentanos zweite Frau Maximiliane von La Roche hatte sich auch der junge Goethe verguckt“, bemerkte der Vortragende. Die „Lotte“ im „Werther“ hat ihre schwarzen Augen.

Eine Via Brentano mit 16 Stationen führt seit 2013 vom Parkhaus Hauptwache (ehemals Standort des Hauses zum Goldnen Kopf) über das Goethe-Haus bis nach Rödelheim zum Petrihaus im Brentanopark. Die Audiodateien dazu sind im Internet zu finden. Um 1720 wurde das Petrihaus am Nidda-Ufer errichtet, 1819 erwarb es Georg Brentano, ältester Bruder von Clemens und Bettine, und baute es um. Bettine traf sich dort mit Freunden und Schriftstellern. Das Brentanobad in Rödelheim, die Bettinaschule, die Brentanostraße und der Bettinaplatz im Westend erinnern außerdem an die berühmten Geschwister.

Finanziell am erfolgreichsten in der kinderreichen Familie Brentano war allerdings eine Frau, Ludovica (Lulu) Brentano. Sie heiratete Carl Jordis, Hofbankier Napoleons. Da dieser Mann nichts von Treue hielt, wurde die Ehe der katholischen Frau vom Papst dispensiert. Lulu heiratete ein zweites Mal, diese Ehe währte nur drei Jahre, dann starb der Mann. Lulu zog von Paris zurück nach Schloss Wasserlos bei Alzenau. Heute ist das Gebäude ein Krankenhaus.

„Natürlich gibt es aber einen Brentano-Ort, der tatsächlich besucht werden kann: Das Brentano-Haus in Oestrich-Winkel“, fügte Wolfgang Bunzel am Ende seines Vortrags hinzu. Die Brentano-Kinder Franz Domenicus und Georg erwarben das Haus 1804, es wurde zum Sommersitz der Familie, die damit auch im deutschen Weinhandel angekommen war. 2014 kaufte das Land Hessen das Anwesen. „Fahren Sie hin, erleben Sie eine Führung und genießen Sie anschließend ein Glas ‚Winkel Hasensprung‘“, riet Bunzel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare