Ausstellung zeigt Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre Weltgeschehen in Cartoons

„Beste beste Bilder“ im Caricatura-Museum

Kuratorin Rebecca Leudesdorff, daneben Dieter Schwalm. Foto: Faure

Altstadt (jf) – „Du solltest die Tafel Schokolade für mich aufbewahren und nicht anknabbern!“, schreit wütend ein rotbezopftes Mädchen im Kinderzimmer, die Hände ärgerlich-nachdrücklich in die Hüften gestemmt.

„So läuft das nun mal beim Negativzins“, antwortet der Junge ziemlich ruhig, die angebissene Schokolade noch in der Hand. Der Cartoon ist von Stephan Rürup und stammt aus dem Jahr 2015. Er ist auch fünf Jahre später noch aktuell. Das Bild gehört zur Ausstellung „Beste beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts“.

Zur Preview herrschte außerhalb des Caricatura Museums ebenfalls Auftrieb: Sturm „Sabine“ hatte einen Kranausleger auf das Dom-Dach krachen lassen. Nun wurde ein weiterer Kran zur Bergung aufgebaut. Dazu hatten sich hinter den Absperrungen allerlei Schaulustige eingefunden. Drinnen im Leinwandhaus begrüßte Achim Frenz, Leiter des Caricatura Museums, die Gäste und kommentierte den Vorfall draußen auf seine Weise: „Dass der Baukran auf das Gotteshaus fiel, war Protest von ganz oben. Aufgrund der Dombaustelle kann nämlich das Festival der Komik seit zwei Jahren nicht auf dem Weckmarkt stattfinden. Das gefällt an höchster Stelle nicht. Wir hoffen, dass die Bauerarbeiten schnell vorankommen und wir die zehnte Ausgabe des Festivals Ende August beim Museumsuferfest feiern können.“

Ebenfalls um die Zahl zehn geht es bei der neuen Ausstellung. Das Weltgeschehen einer Dekade spiegelt sich in 26 Zeichnungen auf Papier, zwölf Drucken auf Kapa (Leichtstoffplatten), zehn Drucken auf Forex (Plattendruck), zwei Collagen, einem Druck auf Leinwand, einem Gemälde und 222 Digitalisaten (Drucke auf Papier) auf zwei Ausstellungsebenen wider. Dazu erschien im Lappan Verlag ein knapp 400-seitiges Buch, das eben das Beste aus den seit 2010 herausgegebenen Jahresbänden versammelt. „Die Buchreihe liefert einen Überblick zur cartoonistischen Entwicklung, veröffentlicht werden sowohl Arbeiten etablierter Zeichner als auch jene von nicht so bekannten Künstlern“, erläuterte Frenz.

Seit 2016 dienen die Bände als Grundlage für die Vergabe des Deutschen Cartoonpreises, der gemeinsam vom Lappan Verlag und der Frankfurter Buchmesse ausgelobt und auf der Messe verliehen wird. Der Cartoonpreis 2019 ging an Piero Masztalerz.

„Pro Band erhalten wir zwischen 2000 und 3000 Einsendungen“, sagte Dieter Schwalm, der zusammen mit Wolfgang Kleinert die Bände herausgibt, „wir schreiben die Cartoonisten an“. So haben sich für den Band 2019 rund 300 Cartoonisten beworben, etwa 90 wurden berücksichtigt. Beide Herausgeber, die aus verschiedenen Teilen Deutschlands stammen, arbeiten seit der Wiedervereinigung zusammen.

„Bei der ersten Ausgabe der besten Bilder wussten wir nicht, ob sich das Buch verkaufen würde. Es verkaufte sich gut. Inzwischen sind die Karikaturen deutlich politischer geworden“, sagte Schwalm. „Wichtig waren uns auch neue Leute mit neuen Techniken“, sagt Kleinert.

Dazu zählen eben die Digitalisate. „Digitale Zeichnungen, also Ausdrucke, sind für ein Museum nicht so toll“, bemerkte Frenz. „Mal sehen, wo die Digitalisierung hinführt. Man sieht ja keinen Strich mehr, irgendwie geht die Handschrift verloren“, meinte der Museumsleiter. Außerdem sei die Vermarktung für Cartoonisten zunehmend schwierig geworden. Rebecca Leudesdorff, die mit „Beste beste Bilder“ ihre erste Ausstellung kuratiert, empfindet das nicht ganz so: „Digitales büßt nichts an Originalität ein.“ „Kann man so sehen, muss man aber nicht“, hielt Frenz dagegen. Unter den 81 beteiligten Künstlern des Dekaden-Bandes sind zehn Frauen. Immerhin das Verhältnis hat sich in den vergangenen Jahren zugunsten der Frauen verbessert. Die Ausstellung ist bis zum 14. Juni im Caricatura, Weckmarkt 17, zu sehen.

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