Gisela Paul wird zur „Marktkönigin“ gekrönt

Sie ist die Königin der Kaiserstraße

Gisela Paul: Kultfigur des Bahnhofsviertels und frisch gekrönte Marktkönigin. Foto: Mohr

Bahnhofsviertel (zmo) – „Sie ist eine energische, selbstbewusste Persönlichkeit. Sie wusste schon immer, was sie will, ist manchmal etwas vorlaut, aber ehrlich, hilfsbereit und immer geradeheraus“, sagte Gisela Pauls ehemalige Schulfreundin Beate Pfeiffer über sie, mit der sie einst die Bockenheimer Sophienschule besuchte.

Diese charakterlichen Eigenschaften lebt sie auch heute noch vor und wenn man sie hört oder mit ihr spricht, wird sich das auch nicht mehr ändern.

Am Donnerstag stand ihr Food-Truck – wie immer – auf dem Platz in der Kaiserstraße. Gisela Paul überließ ihrer Kollegin die Arbeit, denn sie hatte etwas Besonderes zu feiern: Seit 20 Jahren steht sie nun mit ihrem Grüne-Soße-Mobil dienstags und donnerstags auf der einst verruchten Kaiserstraße. 1999 startete sie mit dem fast schon legendären Verkaufswagen und bot ihre selbst gemachten Frankfurter Spezialitäten an.

Mit flotten Sprüchen traf sie offenbar den Nerv und das Wohlwollen der Bewohner des Bahnhofsviertels. Die ausgebildete Opernsängerin fing auch an zu singen, beließ es aber bei heiteren Klängen rund um die Grüne Soße. Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten belohnte Ministerpräsident Volker Bouffier mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen. Sie wurde Präsidiumsmitglied im Landesverband für Markthandel und Schausteller und Präsidentin des Vereinsrings Bahnhofsviertel/ Gutleutviertel. Derartige Karrieren blieben natürlich nicht unerkannt: TV-Auftritte, ein Buch, und Berichte über sie in vielen Frankfurter Blättern machten sie zu einer Kultfigur im Bahnhofsviertel. Und wer heute mit ihr darüber spricht, merkt sofort, dass ihr das Rampenlicht nicht unangenehm ist.

Über die Schulzeit spricht sie nur scherzhaft und ihre beruflichen Tätigkeiten hören sich zwar recht ordentlich an, waren für sie aber eigentlich spießig: Bürokauffrau, Angestellte bei einer Bank, beim Arbeitsamt und einige Jahre in der Gastronomie, gaben der Frankfurterin aber ein stabiles Rüstzeug für ihre zwanzigjährige Arbeit im Verkaufswagen in der Kaiserstraße.

„Als ich hier anfing, da machten die meisten Menschen noch einen großen Bogen um das Bahnhofsviertel“, sagt Gisela Paul. „Heute haben wir das Milieu in den Griff bekommen. Zu unseren Kunden gehören mittlerweile Banker, Künstler, Geschäftsleute, Studenten und prominente Frankfurter, die sich hier am Kaisersack außer meiner grünen Soße, ihren Imbiss nehmen oder am Abend einen Schoppen trinken.“

„In vier Jahren ist hier Schluss für mich. Mein Sohn hat mir eine tolle 100 Quadratmeter große Wohnung in Wohra bei Marburg reserviert, da will ich den Rest meines Lebens verbringen“, so klingen die Zukunftspläne von Gisela Paul – wenn auch ein wenig wehmütig.

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