Meinwanderungsland

Ausstellung zeigt Migration als Teil deutscher Geschichte

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Kocatürk Schuster und Timo Glatz zeigen zwei Gegenstände, die Geschichten erzählen: Zusammen wollen sie zeigen, wie die Migration Deutschland mitgeformt hat.

Innenstadt (red) – Wer am vergangenen Montag in der Innenstadt unterwegs gewesen ist, dem mag auf der Konstablerwache etwas aufgefallen sein. Auf dem gekachelten Platz vor der Frankfurter Sparkasse wehte dort ein blaues Zelt im Wind mit der Aufschrift „Jede Geschichte zählt“.

An einem Tisch voll mit verschiedensten Gegenständen und Ausstellungsstücken waren dort Menschen ins Gespräch vertieft über das Thema Migration. Ursache dafür war die Wanderausstellung „Meinwanderungsland“, die momentan durch Deutschland tourt und zeigen will, dass Einwanderung schon immer Teil der deutschen Geschichte war. In Büchern aber sei das Thema häufig übergangen worden: „Migranten haben dieses Land mit aufgebaut“, sagt Initiator Timo Glatz. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat es tatsächlich regelmäßig ganze Zuwanderungswellen gegeben. Als das Wirtschaftswunder in den 1960er-Jahren boomte, hätte die nötige Arbeitskraft gar nicht aufgewandt werden können, wären nicht Gastarbeiter aus der Türkei, Italien und anderen Ländern hierher gekommen. Doch auch in die DDR wurden Millionen Arbeiter aus sozialistischen „Brüderstaaten“ gerufen – mit dem Ziel die Wirtschaft wieder in Aufschwung zu bringen.

„Ohne diese Leute wäre vieles gar nicht möglich gewesen“, sagt Glatz, „dennoch werden sie von einigen bis heute nicht als echter Teil Deutschlands angesehen.“ Und genau darum geht es der Bewegung vom „DoMiD“, dem Dokumentationszentrum und Museum über Migration in Deutschland: „Wir wollen keine Debatten über Geflüchtete oder Politik führen. Uns liegt es mehr am Herzen, der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, wie es aus Sicht der Migranten war, in diesem Land anzukommen“, heißt es vonseiten der drei Mitarbeiter, die in den nächsten Monaten durch 18 deutsche Städte touren werden.

Denn Ankommen war nicht immer einfach, weder damals noch heute: Auf einen Tisch hat das Team vom Museum Gegenstände gelegt, die auf Einzelschicksale hinweisen und Geschichten erzählen. Da liegt ein paar Fußballschuhe, in denen ein Gastarbeiterkind fast jeden Tag zum Bolzplatz ging, eine Kamera mit denen ein Türke in den 1970ern seine Erlebnisse im „neuen Land“ dokumentiert hat und eine Kassette, auf der lange und emotionale Berichte an die Familie im Heimatland bis heute gespeichert sind. „Klar, manche kommen wirklich nur auf uns zu, um einfach mal ihre Wut über die Politik rauszulassen. Oder uns ihre Meinung zu sagen, aber auch hier finden letztendlich Dialoge statt und häufig können wir den Leuten etwas von einem Standpunkt aus zeigen, aus dem sie es so noch nicht gesehen haben“, sagt Glatz. Zu der Flüchtlingspolitik will er sich nicht äußern: „Das müssen wir auch gar nicht.“

Frankfurt war eine der ersten Stationen. Bis jetzt sei es wunderbar für die Initiative aus Köln gelaufen. Besonders interessant ist, wie die Migranten im Osten den Mauerfall erlebt haben, denn diese Menschen standen alle plötzlich arbeitslos im Leben: „Das überrascht viele“, sagt Glatz. Im Mai wird er auch in Dresden mit seinem Zelt stehen und den Passanten von der Migration in Deutschland berichten. „Wir sind mal gespannt, wie das dort so wird, aber wir freuen uns auch schon darauf“, sind sich er und seine Kollegen einig.

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