Körperliche und geistige Aktivität gegen das Vergessen

Alzheimer-Demenz: Sensibles Thema im Bürgerinstitut Frankfurt

Professor Mathias Jucker (links), Elisabeth Haindel und Dr. Alfried Lütkenhaus (beide im Vorstand des Bürgerinstituts) beim Vortrag. Foto: Mohr

Westend (zmo) – „Demenz ist auch heute noch eine große unbekannte Krankheit, die derzeit nicht geheilt werden kann. Die Wissenschaft macht zwar Fortschritte und bekommt immer mehr Erkenntnisse über den Verlauf, aber der Durchbruch zur Heilung ist noch nicht erreicht“, sagt Dr.

Alfried Lütkenhaus, Vorstand und Schatzmeister des Bürgerinstituts Frankfurt in seiner Begrüßungsansprache für den Schweizer Referenten Professor Mathias Jucker, der anschließend im Westend über dieses Thema sprach.

Die Alzheimer-Krankheit – auch „Alzheimer-Demenz“ oder „Morbus Alzheimer“ genannt – ist die häufigste Form der Demenz und eine unheilbare Störung des Gehirns. Durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn werden Menschen mit Alzheimer zunehmend vergesslich, verwirrt und orientierungslos.

Mathias Jucker, Professor für Zellbiologie neurologischer Erkrankungen am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung der Uni Tübingen, machte den Besuchern auch in seiner Rede deutlich, dass es bislang kein „Rezept“ für die Heilung von Demenz gibt. „Aber wir sind ein großes Stück weitergekommen. Uns ist es gelungen, den Verlauf von Alzheimer noch vor dem Auftreten von Symptomen zu verfolgen. Die verwendeten Bluttests könnten helfen, neue Therapien zu entwickeln.

Demenz entwickelt sich in der Regel über viele Jahre und völlig unbemerkt. In dieser Zeit sterben entsprechende Nervenzellen ab, die Überreste gelangen somit ins Blut. Bei jüngeren Menschen könnte die Krankheit bei einer Blutuntersuchung schon in einem frühen Stadium erkannt und behandelt werden.

Zuversicht auf Heilung wächst:

„Ein vielversprechender Sprung, der uns weitere Möglichkeiten bieten könnte“, sagt der Schweizer Wissenschaftler und ergänzt: „Nach Jahren voller Rückschläge sind wir jetzt wieder zuversichtlicher. Vor allem Studien mit Antikörpern machen neue Hoffnung: Die Mittel sollen die Ablagerungen im Gehirn der Kranken beseitigen und so den geistigen Verfall stoppen. Die Euphorie ist groß, dass man wieder daran glaubt. Man hat das Gefühl, es könnte klappen, dass etwas erreicht wird, zwar mit minimalen Effekten, aber es wäre ein unglaublicher Schritt in der Forschung, weil dann alle nachträglichen Studien so viel schneller gehen würden.“

Auf Fragen der Zuschauer, was man denn präventiv tun könne um keine Alzheimer zu bekommen, antwortete Professor Jucker ein wenig ausweichend damit, dass ein gesunder Lebensstil den Ausbruch von Alzheimer verzögern kann. „Wir wissen, dass gerade körperliche und geistige Aktivität, soziale Kontakte und gesunde Ernährung sehr wichtig sind und eben auch einen präventiven Nutzen darstellen dahingehend, dass die Betroffenen tatsächlich später an einer Alzheimer erkranken, als diejenigen, die diese Dinge nicht umsetzen.“

Dr. Alfried Lütkenhaus erklärte den Besuchern zum Abschluss noch einmal die Bedeutung des Bürgerinstituts. Neben der allgemeinen Seniorenberatung, der Beratung zur Vorsorge und Patientenverfügungen, spezifischen Angeboten für Menschen mit Demenz und hospizlicher und palliativer Beratung und Begleitung, bis hin zur Nachlassabwicklung und Testamentsvollstreckungen, gibt es seit sechs Jahren in Frankfurt auch eine mobile Beratung speziell über Demenz.

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