Klangkünstler Pedro Oliveira untersucht politische Dimensionen von Sound und Sprache

Akustischer Gewalt auf der Spur

Klangkünstler Pedro Oliveira setzt sich mit Spracherkennungs-Software und Migration auseinander. Foto: p

Westend (red) – Als neuer Gastkünstler am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik beginnt Pedro Oliveira seinen dreimonatigen Aufenthalt wegen der Coronapandemie zunächst vom heimischen Schreibtisch aus.

Im „Inhabit Artist-in-Residence-Programm“ setzt er seine künstlerisch-wissenschaftliche Forschung zu den politischen Dimensionen von Sound und Sprache fort. Das Augenmerk liegt dabei auf der im deutschen Asylsystem eingesetzten Spracherkennungs-Software.

Oliveira lebt seit 2009 in Deutschland. Er hat seinen Master in Digital Media in Bremen absolviert und anschließend in Berlin im Bereich Design Research promoviert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit dem hochaktuellen Thema Polizeigewalt, genauer gesagt, mit den akustischen Artikulationsformen dieser Gewalt in Brasilien seit 2013. Nach seinem Abschluss vertieft er dieses Interesse weiter im Bereich Spracherkennungstechnologien und setzt sich derzeit mit der automatisierten Dialekterkennungssoftware auseinander, die vom deutschen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zur Herkunftsbestimmung von Asylbewerbern eingesetzt wird. In diesem Kontext beurteilt Oliveira den Einsatz solcher Software als kritisch. Er problematisiert vor allem die Sound-Datenbank, aus der sie sich speist: „Dass sprachliche Merkmale in Form eines starren Archivs als eine Maßnahme der Identifizierung, der Beweisführung und der anschließenden Abschiebung von undokumentierten Migranten verwendet werden, ist eine Artikulation akustischer Gewalt, die ich besonders untersuchen und herausfordern möchte.“

Für Oliveira ist der Gebrauch der Dialekterkennungssoftware im Asylverfahren entscheidend für das Verständnis davon, wie maschinelles Zuhören als gewalttätiges und entmenschlichendes Gerät instrumentalisiert werden kann. Mehr noch als die Frage, worauf die Software trainiert wird, interessiert ihn, was sie ignorieren soll. Die Ergebnisse seiner Zusammenarbeit mit dem Institut sollen als Verbindung von Soundinstallation und Klangperformance festgehalten werden.

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