Drei Millionen tote Tiere im Jahr

Ärzte gegen Tierversuche veranstalten Demo auf der Zeil

Viel Aufsehen erregten die „Ärzte gegen Tierversuche“ auf der Zeil.

Innenstadt (nma) – Obwohl den Firmen ein echtes PR-Desaster droht, wenn so etwas ans Licht kommt, steigt die Zahl der Tierversuche in Deutschland weiter an.

Von drei Millionen toten Tieren spricht die Organisation Ärzte gegen Tierversuche, die am Wochenende auf der Frankfurter Zeil auf viel Interesse und Unterstützung gestoßen ist. Dicht gedrängt bewegen sich die Menschen auf der Zeil am Samstagmittag – nichts Ungewöhnliches für Frankfurt. Doch an einer Stelle auf Höhe des Brockhausbrunnens sammeln sich immer wieder größere Gruppen. Hier sorgen die „Ärzte gegen Tierversuche“ in Kooperation mit der Tierbefreiungsgruppe „Aktiv gegen Speziesismus“ für Aufsehen. 

In Laborkleidung stehen Mitglieder der Organisationen in einer Reihe, halten Schilder, schreckliche Fotos und sogar einen Bildschirm hoch, auf dem verstörende Aufnahmen aus Tierversuchs-Laboren zu sehen sind. „Wir machen solche Aktionen nicht regelmäßig, gehen aber schon häufig in die Öffentlichkeit“, erklärt Johannes Volker Schmidt. Er ist der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe der Ärzte gegen Tierversuche. 

„Das Interesse ist riesig“, freut er sich und deutet auf die vielen Menschen, die rund um den Stand das Geschehen beobachten, einige davon mit Info-Materialien in der Hand, andere unterschreiben die Petitionen. Fast 500 Unterschriften haben die Aktivisten innerhalb von zwei Stunden gesammelt. „Wir sind aus ethischen Gründen gegen Tierversuche und auch aus wissenschaftlicher Sicht sind Tierversuche sinnlos“, beschreibt Schmidt. Seine Kollegin Maleen Schaumburg ergänzt: „Tierversuche für kosmetische Produkte sind in der EU verboten, allerdings kann es gut sein, dass diese Stoffe enthalten, für die Tiere zu Schaden gekommen sind.“

Drei Millionen Tiere sterben allein in Deutschland jährlich bei Versuchen, berichten die beiden. Und die Dunkelziffer sei vermutlich deutlich größer. „Zum Beispiel weil nur Versuche mit Wirbeltieren statistisch erfasst werden.“ Vor allem in der Grundlagenforschung werde häufig an Tieren experimentiert, beispielsweise bei Giftigkeitstests. „Die Humanrelevanz, also der Wert, wie oft solche Erkenntnisse letztlich auf den Menschen angewendet werden können, liegt bei 0,0024 Prozent.“ Leider stiegen trotz dieser geringen Zahl die Tierversuche in Deutschland regelmäßig wieder an. „Wir wollen heute informieren und aufklären und in Form von Unterschriften Unterstützung sammeln“, sagt Schaumburg. 

Diese sollen an verschiedene Institutionen und Firmen übergeben werden, die noch immer Tierversuche machen. Neben solchen Informationsständen wie dem auf der Zeil, arbeiten die „Ärzte gegen Tierversuche“ allerdings auch ganz konkret an der Vermeidung von Tierversuchen. „Beispielsweise zusammen mit Universitäten aus Osteuropa: Wir bitten sie, Tierversuche in den Studiengängen zu unterlassen und liefern ihnen zusätzlich Alternativmaterial.“ Denn dank moderner Technologie gebe es dieses in verschiedensten Formen. 

Schmidt zeigt in einem Magazin eine kleine Platine: „Diese ist etwa so groß wie ein Smartphone und kann einen menschlichen Organismus simulieren.“ So müsste kein Tier für wenig relevante Messungen sterben und das kleine Gerät könne zudem an die individuelle Situation eines Menschen angepasst werden. „Das eignet sich also viel besser, um Medikamente zu testen.“

Ein Mal im Jahr vergibt „Ärzte ohne Tierversuche“ auch das „Herz aus Stein“. Ein Negativ-Preis für besonders herzlose Forschung, wie die Organisation beschreibt. 2018 ging dieses an die Universität Ulm. Doch sorgt die Gruppierung auch für Aufwind. Gleich zwei Mal vergeben sie den Herbert-Stiller-Preis in jedem Jahr. An Firmen und Organisationen, die sich durch besonders innovative Forschung auszeichnen. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis ging in diesem Jahr an die TUs Wien und Berlin.

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