Hermann Altpaß bietet geschichtliche Rundreise in der Bäckerei Ewald

Spaziergang mit Postkarten

Hermann Altpaß und ein Bild von der Fechenheimer Kerb direkt am Mainufer. Foto: jf

Fechenheim (jf) – Der Raum im Hof der Bäckerei Ewald platzte aus allen Nähten, zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden.

Hermann Altpaß, Erster Vorsitzender des 1979 gegründeten Heimat- und Geschichtsvereins Fechenheim hatte zum Lichtbildervortrag eingeladen – allerdings klickte kein Diabetrachter, sondern Altpaß nutzte ein kabelloses Mikrofon, Laptop und Beamer. Moderne Technik und zum Teil über 100 Jahre alte Postkarten passten gut zusammen.

Der „Spaziergang“ begann an der Mainkur, da befand sich 1830 der Haupthandelsweg nach Leipzig, 1848 wurde der Bahnhof eröffnet. Und Turnvater Jahn – seine Büste stand lange in Fechenheim – weihte die erste Fahne eines Turnvereins der Stadt.

Die Mainkur kommt im Vortrag oft vor, als kolorierte und mit Blümchen und Ranken verzierte Postkartenzeichnung, als frühes Fotomotiv, oft bereits auf der Vorderseite beschrieben. 1870 wurden die Cassella Farbwerke gegründet, damals unter dem Namen Frankfurter Anilinfabrik Gans & Co. „In den 1870er Jahren kaufte Cassella alle Grundstücke auf“, erläuterte Altpaß. Wiesen wurden zu Werksgelände und es entstanden kleine Cassella-Häuschen. Und größere Doktor-Häuser. „Wenn die Schornsteine von Cassella rauchen, brummt die Wirtschaft“, sagte man.

„An der Stelle der heutigen Omegabrücke war früher ein Flößerplatz, das Holz wurde von Fechenheim bis nach Holland transportiert“, bemerkte der Geschichtskundige. Apropos Holz: „Weiß jemand noch, was ein Steiper ist?“, fragte Altpaß in den Raum. Ratloses Schweigen, obwohl sonst immer jemand etwas anzumerken hatte. „Eine Wäschestange, die verhinderte, dass die Leinen zu tief hingen“, klärte der Geschichtsforscher auf. Aha. Braucht heute wohl keiner mehr.

Beim Bier-Hannes sieht es heute fast noch genauso aus wie auf einer alten Karte. Damals reichte der Biergarten bis hinunter zum Main. 1930 wurde der Damm aufgeschüttet. Zwei Jahre vorher wurde Fechenheim nach Frankfurt eingemeindet. „Fechenheim war reich. Und die Bürger waren schlau. Am Tag der Vertragsunterzeichnung, am 1. April 1928, unterschrieben die Verantwortlichen am Vormittag noch den Bauvertrag für das Schwimmbad, am Nachmittag die Eingemeindung. So retteten sie ihr Geld und bekamen ein modernes Bad mit den ersten Wechselkabinen deutschlandweit“, erzählte Altpaß. Das Gartenbad hatte Martin Elsaesser konzipiert.

Die nächste Karte zeigt den Main in einer satten Farbe. „Der sieht ja aus wie die schöne blaue Donau!“, rief jemand. Auf der Offenbacher Seite gab es in Höhe des heutigen Arthur-von-Weinberg-Stegs ein Flussschwimmbad. Eine weitere Flussbadeanstalt war auf Fechenheimer Seite gelegen, allerdings nur bis zur Eingemeindung.

Viele Kneipen und Säle, Bäcker und Metzger hatten in Fechenheim ihr Auskommen, Wirte und Metzger posierten vor ihren Häusern; stolz, mit langen weißen Schürzen. Manches Original hatte Fechenheim auch zu bieten – aber das wäre dann schon ein anderer Vortrag.

Wer Interesse an der Arbeit des Heimat- und Geschichtsvereins hat, ist willkommen: Die Mitglieder treffen sich immer dienstags von 15 Uhr bis 18 Uhr in der Bürgeler Straße 1.

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