Großer Applaus für die Große Prunk- und Fremdensitzung der „Hemdeklunkis“

Sexy Tänzer und heiße Hexenwesen

Das Hexen-Einmaleins gab es bei dem Schautanz der „Klunkiperlen“ zu lernen. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Wo sitzen Polizist und Sträfling, Astronaut und Meerjungfrau, Cowboy und Pandabär, Zombie und Sportskanone einträchtig beieinander und feiern? Richtig: Bei der Großen Prunk- und Fremdensitzung des Fechenheimer Karneval-Clubs „Die Hemdeklunkis“.

Für das einfallsreich kostümierte Publikum gab es gleich zu Anfang Lob vom Sitzungspräsidenten Thomas Ruf, der dieses Mal bei der Leitung der bunten Schau zauberhafte Unterstützung von Caroline Seufert hatte. Das Frankfurter Kinderprinzenpaar Tim I. und Anna I. begleitete die „Hemdeklunkis“ schon beim Einzug der Korporationen. Die Nachwuchs-Tollitäten verrieten, leidenschaftliche Eintracht-Frankfurt-Fans zu sein. Dafür gab’s natürlich ordentlich Applaus.

Für Begeisterung sorgte auch die Minigarde mit ihrem Showtanz „Tarzan“. Für die tolle Darbietung wurde die erste „Rakete“ des Abends unter Lärmen und Pfeifen „gezündet“ – viele weitere sollten folgen. Die erste Büttenrede des Abends hielt „Klunki“-Urgestein Hänschen Preissl, der als Frankfurter Schoppepetzer zugab, lieber Jägermeister statt Smoothies zu trinken und nicht als Zeuge Jehovas aussagen zu wollen.

Mit einer heißen Solo-Tanzeinlage beeindruckte Marcel Lipphart – bekannt von der Rosa Cloudchen Sitzung – die bunte Narrenschar. Für den Sex-Appeal und die atemberaubende Gelenkigkeit gab es Beifallsstürme, begleitet von jeder Menge spitzen Schreien.

Einen veritablen Schnellsprecher in der Bütt hatten die „Hemdeklunkis“ mit Boris Reisert aus Rodenbach verpflichtet. Nachdem er seiner Freundin einen Antrag gemacht hatte, sei er im Hochzeitsvorbereitungsstress. Der beginne schon mit den Einladungen, gehe weiter mit der Sitzordnung und ende mit dem Menü. Mit witzigen Wortspielereien in Überschallgeschwindigkeit verriet der Vortragende am Ende, was ihm nach der Hochzeit alles blühen werde, denn seine Zukünftige hatte da einen sehr genauen Ehevertrag ausgeklügelt.

Das Wiedersehen mit der Minigarde, den „Zappolinis“, die ihren Marsch zu den Song „Bella Ciao“ aufgrund der vielen Zugabe-Rufe gleich zweimal präsentierten, verzückte das närrische Auditorium.

Schaurig-schön war der Auftritt der „Klunkiperlen“, die das Hexen-Einmaleins lehrten. Sie eroberten reich verziert mit Mäusen, Spinnen, spitzen Hüten und krummen Nasen sowie geschmückten Reisigbesen die Bühne und verliehen dem Song „Atemlos“ eine ganz neue verhexte Note.

Vollblutkarnevalistin und Sängerin Friederike, bekannt von der Band Joker, kam als Obelix verkleidet – sogar mit kleinem Hinkelstein auf dem Rücken – und begeisterte mit Songs zum Thema „Dicksein“. Es gab ein Wiederhören mit Trude Herrs „Ich will keine Schokolade“ sowie einer eigenen Version von „Dicke“ von Marius Müller-Westernhagen. Mit einer nicht vorhandenen Rede glänzten Irene und Sabrina Jekel, die auch im wahren Leben Mutter und Tochter sind. Vor lauter Zumba-Stunden hatte das Töchterchen nämlich glatt vergessen, eine Fastnachtsrede zu schreiben. Vergnüglich kramten die beiden peinliche Geschichten aus der Vergangenheit hervor und zogen sich gegenseitig damit auf.

Kaum war der letzte Satz verklungen, kündigte sich schon das Frankfurter Prinzenpaar, Jonas I. und Sandra I. an. Das Frankfurter Prinzenpaar mit Gefolge hatte sich das Motto „Handwerk“ auf die Fahnen geschrieben. Dies verleitete Thomas Ruf zu der rhetorischen Frage: „Welche Handwerker kommen schon an einem Samstagabend?“ In Fechenheim scheint vieles möglich zu sein. Die Tollitäten appellierten in ihrer Ansprache an die Jugend, sich an Brauchtum und Tradition zu beteiligen. 

Ein schöner Brauch ist auch der Austausch von Gastgeschenken zwischen dem Prinzenpaar und den Vereinen. Ein formschönes Geschenk sollte es laut Ruf auch von den „Hemdeklunkis“ geben – doch das Präsent war unauffindbar. Ob da die Hexen im Spiel waren? Ruf versprach, die Gabe nachzureichen. Einen Augenschmaus servierte die Garde der Frankfurter Carneval Gesellschaft aus dem Gallus, auch Kamerun genannt, mit einem mitreißenden Marsch. Für gute Laune sorgten dann die „Klunkiperlen“ mit ihren alpenländischen Stimmungstänzen in Dirndl und Krachledernen. Laut wurde es mit der Guggemusik der Kinziggeister, die in beeindruckender Zahl die TSG-Halle einnahmen. Sie entführten mit ihrer üppigen Maskerade ins Alte Ägypten, doch die Musik hatte mit dem Land am Nil nichts zu tun. 

Marcel Lipphart verzückte mit seinem Solotanz. Foto: sh

Über die herrlich-schräge Version von „Sweet Caroline“ von Status Quo dürfte sich vor allem die Co-Sitzungspräsidentin gefreut haben. Mit Melodien vom Karneval in Rio schlängelte sich schnell eine Polonaise durch die Reihen. Die Showtanzgruppe der „Hemdeklunkis“ setzte das Thema „Filmmusik der 90er Jahre“ bravurös auf der Bühne um. Von „Flashdance“ über „Footloose“ bis „Dirty Dancing“ war alles vertreten und bei den fliegenden Bekleidungswechseln gab es für die Akteure kaum eine Verschnaufpause. Wie Caroline Seufert bekannt gab, trainiert sich die Gruppe selbst. Dafür gab es noch einmal Extra-Applaus. 

Regina Schiecke stolzierte als Domina in schwarzem Leder und mit Peitsche in die Bütt. Domina sei ihr Zweitjob, den sie wärmstens empfehlen könne. Schließlich gehe die Fechenheimer Obrigkeit bei ihr ein und aus, denn bei ihr herrsche Zucht und Ordnung. Auf das Männerballett der „Hemdeklunkis“, die „Fantastics“, freuten sich besonders die Damen im Publikum. Sie ließen sich von den Herren gerne ins Weltall entführen – zunächst in goldenen Raumanzügen und später als „Men in Black“, die es mit knuffigen Aliens zu tun bekamen. 

Den Abschluss der Prunksitzung bestritt der singende Pizzabäcker Fabio Gandolfo, der nicht nur einen echt aussehenden Pizzateig herumwirbelte, sondern auch die Partystimmung mit Songs wie „Mama Maria“ und „Vamos a la Playa“ ordentlich anheizte. Das war der geeignete Moment für alle Akteure der farbenfrohen Show, noch einmal auf die Bühne zu kommen für das große Finale. Von der Decke schwebten Luftballons in den Saal und der harte Kern machte sich bereit, in der Sektbar noch kräftig weiterzufeiern.

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