Erweiterungsbau verzögert sich

Trafoanlage stellt Konrad-Haenisch-Schule auf Geduldsprobe

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Die Konrad-Haenisch-Schule benötigt dringend den von der Stadt zugesagten  Erweiterungsbau, da in den Containern bereits die Leisten von der Decke fallen. Doch der Baubeginn verzögert sich.

Fechenheim (sh) – Die Luft ist zum Schneiden dick und abgestanden, vereinzelt hat sich Schimmel an den Wänden gebildet, von der Decke fallen Leisten. Der Unterricht in den Räumen der Containeranlage an der Konrad-Haenisch-Schule ist für alle eine Zumutung.

Es müssen dringend neue Räume her. Die Stadt hat der ganztägig arbeitenden verbundenen Grund-, Haupt- und Realschule zwei Anbauten zugesagt. Der erste Bauabschnitt sollte bereits erfolgt sein, doch die Schule muss sich noch gedulden: Eine Trafoanlage im Keller sorgt für Probleme. Rund 700 Schüler besuchen die 1958 erbaute Schule im Fechenheimer Norden, die ursprünglich für 400 Schüler ausgelegt war. Es ist eng. Zwei Containeranlagen auf dem Schulhof sollten als Provisorium vorübergehend Abhilfe schaffen. Das war vor neun Jahren. „Uns fehlen vor allem Fachräume, beispielsweise ein Musikraum, Differenzierungsräume und Betreuungsräume“, sagt Schulleiterin Birgid Frenkel-Brandt. Bereits 2016 zeigte eine Machbarkeitsstudie, dass der Bedarf an Räumen mit zwei Erweiterungsbauten und einer Umstrukturierung der bereits vorhandenen Räume gedeckt werden kann. Zu diesem Zeitpunkt war ebenfalls bekannt, dass sich im Keller der Schule eine Umspannanlage befindet. Im Erklärungsbericht des Hochbauamts von 2017 heißt es: „Im Zuge der Baumaßnahme wird eine neue Trafostation erforderlich. Diese ist nahe der westlichen Grundstücksgrenze und südlich des Schulgartens geplant.“

Groß war die Freude an der Schule, als es im vergangenen Jahr seitens der Stadt hieß, dass die Mittel für den ersten Anbau bewilligt seien und die Arbeiten 2019 losgehen können. Doch da hatte man offensichtlich die Rechnung ohne die Trafostation gemacht. „In ganz Europa ist kein entsprechendes Häuschen für diese Anlage verfügbar“, fasst Frenkel-Brandt zusammen, was sie in Gesprächen mit dem für den Schulneubau zuständigen Amt für Bau und Immobilien erfahren hat. Bei der Behörde selbst erhält man auf eine Presseanfrage nur spärliche Informationen. „Es sind unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten“, heißt es von Amtssprecher Günter Murr. An einer Lösung des Problems werde gearbeitet. Angestrebt sei, dass die Arbeiten in diesem Jahr beginnen, führt der Sprecher aus. Nun wartet die Konrad-Haenisch-Schule ungeduldig auf den Startschuss, denn die Bedingungen für Schüler und Lehrer sind alles andere als optimal.

Danja Raschu ist 16 Jahre alt, geht in die zehnte Klasse und erlebt bereits das zweite Jahr Unterricht im Container. „Im Winter ist es morgens dort so kalt, dass die Wasserhähne zugefroren sind. Das Wasser zum Tafelwischen holen wir mit Eimern aus anderen Klassenräumen“, berichtet die Schülerin. Bis die Heizung den Raum erwärmt hat, dauere es rund 40 Minuten. „Weil die Container übereinandergestapelt sind, spürt man, wenn andere Schüler in ihren Klassen herumlaufen. Neulich erst fiel eine Leiste von der Decke“, sagt die 16-Jährige. Auch für die Lehrer ist die Situation schwierig. „Die Akustik ist schlecht, man muss sehr laut sprechen, damit alles ankommt. Vier Klassen teilen sich einen Beamer, der vorher organisiert und jedes Mal erst wieder angeschlossen werden muss, bevor es losgehen kann. Zeitgemäßer Unterricht in einer Abschlussklasse sieht anders aus“, sagt Bianca Peters, die Geschichte und Ethik unterrichtet. Schulelternbeiratsvorsitzende Nicole Siebertz-Bank ergänzt: „Die Container sind marode, die Leitungen defekt, oft funktionieren nicht alle Heizungen und es gibt kein Internet.“

Senada Dzogovic, Mutter eines Schülers und im Förderverein „Konny“ aktiv, weiß die Arbeit und Angebote der Schule sowie das gute Betriebsklima im Kollegium zu schätzen. Auch die Lage der „Schule im Grünen“ sei sehr schön. Umso enttäuschender ist es, dass die Einrichtung so stiefmütterlich behandelt wird. „Für einen begrenzten Zeitraum ist der Unterricht in Containern in Ordnung, aber nicht für fast zehn Jahre. Es ist traurig, dass die Schule seit Jahren nicht das bekommt, was andere Schulen längst haben.“

Unterstützung kommt für die Konrad-Haenisch-Schule auch vom Ortsbeirat 11. Das Gremium hat in der zurückliegenden Sitzung einstimmig zwei Anträge beschlossen, die die verzögerten Bauarbeiten zum Inhalt haben. Die Linke hat einen Fragenkatalog an den Magistrat gerichtet, in dem die Fraktion unter anderem wissen möchte, was das Amt für Bau und Immobilien unternimmt, um das technische Problem zu lösen, und welche Zwischenlösungen bis zum Abschluss der Erweiterungsbaumaßnahmen angeboten werden. Die FDP-Fraktion drängt in ihrem Antrag darauf, dass der Magistrat die Arbeiten zum Erweiterungsbau der Konrad-Haenisch-Schule aufnehmen und ohne weitere Verzögerung die getroffenen Zusagen einhalten soll.

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