Seit 20 Jahren ist das Junge Museum Frankfurt unterwegs

Ein Museum im Grünen

Daniela Birkenfeld und Susanne Gesser (hinten) sowie Ina Hartwig (rechts) mit Kindern und ihren Plakaten am Pavillon des „Jungen Museums unterwegs“. Foto: jf

Fechenheim (jf) – Auf der Wiese in der Nähe des Spielplatzes an der Wächtersbacher Straße steht ein Pavillon. Auf dem Tisch darunter sind Kisten und Kästen mit Spielen, Stiften und Papier ausgebreitet. Ein paar Kinder haben sich schon eingefunden.

Eben noch spielten sie Revolutions-Memory, jetzt malen sie. Der Pavillon gehört dem „Jungen Museum unterwegs“. Seit 20 Jahren – damals noch unter dem Namen Kindermuseum – geht es in die Stadtteile.

„Es ist richtig schön hier, zwischen den Häusern flattert die Wäsche auf der Leine, die Kinder haben viel Platz zum Spielen und …“, der Lärm eines Flugzeugs unterbricht kurz die Rede der Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld, „ … unterhalten sich unaufgeregt mit den Pädagogen und Betreuern des Jungen Museums.“

Vor 20 Jahren wurde das mobile Museumsangebot ins Leben gerufen, vor zehn Jahren stellten sich verschiedene Dezernate die Frage nach der Zukunft der Frankfurter Kinder und beschlossen eine Kooperation zwischen dem Programm „Aktive Nachbarschaft“, dem Jugendbildungswerk und dem „Museum unterwegs“.

Zwischen Mai und September zieht die Einrichtung montags bis freitags und an einem Wochenende für jeweils drei Nachmittagsstunden mit offenen und kostenfreien Angeboten in die Quartiere. An diesem sonnigen Nachmittag ist das „Junge Museum unterwegs“ in Fechenheim-Nord. Auf der Wiese werden die Jungen und Mädchen aus den Wohnsiedlungen erreicht. „Deshalb ist es besonders gut, dass sich das ‚Junge Museum unterwegs’ zwischen Wächtersbacher und Langenselbolder Straße aufgestellt hat“, unterstreicht Birkenfeld. Spielerisch können Themen behandelt werden. Beispielsweise die gerade laufende Ausstellung „Dagegen? Dafür! Revolution. Macht. Geschichte.“

Quartiermanager bereiten den Besuch des Museums vor, Fechenheims Quartiersmanagerin Nora David ist ebenfalls gekommen. Das Angebot bereichert die Kultur im Stadtteil, verknüpft die Aktionen vor Ort mit den Expositionen im Jungen Museum.

Bisher entdeckten Kinder ihr Quartier, sammelten Gegenstände und erfuhren deren Geschichte, entwickelten Stadtpläne für Kinder und erforschten, wie man im Stadtteil wohnt. Eine Abschlusspräsentation im Jungen Museum gehört immer dazu.

„Das ‚Junge Museum unterwegs’ steht ganz im Sinne von Hilmar Hoffmanns Forderung nach ‚Kultur für alle’“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig. Frankfurt spiele bundesweit eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet. Aber es sei für ein Museum alles andere als selbstverständlich, die eigenen Räume zu verlassen und in die Quartiere zu gehen.

Die gegenwärtige Exposition im Jungen Museum beleuchtet vier Frankfurter Ereignisse: Die Wahl zur Nationalversammlung 1848, die Novemberrevolution 1918, den Widerstand gegen den Bau der Startbahn West 1980 und das Occupy Camp 2011/12. „Das ‚Junge Museum unterwegs’ will keine Revolution in den Stadtteilen anzetteln, aber es stellt Fragen“, betont Hartwig.

Die Leiterin des Jungen Museums, Susanne Gesser, fügt hinzu: „Es ist zwar untypisch für ein Museum, mit Sack und Pack in die Quartiere zu ziehen, aber es gehört zu unserem Konzept. Das ‚Junge Museum unterwegs’ ist etwas zum Anfassen und Mitmachen, außerdem gibt es Stadtteilrallyes, bei denen Kinder ihr Umfeld entdecken.“

Inzwischen haben die Kinder gemalt und gezeichnet. Auf einem großen Banner steht mit bunten Buchstaben: „Plastik? Nein, danke!“ Keine Revolution. Aber ein prima Standpunkt.

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