Doppel-Krimilesung

Martini, Abba und Crossover

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Martin Olden, Daniela Loke und Alexander Schaub bringen kriminalistische Spannung ins Café „Cult fee“.

Fechenheim (jf) – Martini wird bei Alexander Schaub ziemlich stark durchgeschüttelt. Ähnlich wie bei James Bond, der den Drink geschüttelt, nicht gerührt bevorzugte. Allerdings ist der Martini bei Schaub kein Cocktail, sondern ein Privatdetektiv, Thomas, kurz Tom, mit Vornamen.

Und der ist hinter dem Engelmacher her, einem Serienmörder, der reihenweise blonde Frauen umbringt und ihnen Engelsflügel anhängt. So begann die Doppel-Krimi-Lesung mit verteilten Rollen im Café „Cult fee“ von Elke Dippel.  Im dritten Teil der Krimiserie von Alexander Schaub gibt es für Martini ein böses Erwachen: Im Bett neben ihm liegt eine blonde Frau. Erstochen. Martini, gesprochen vom Autor, zeigt sich entsetzt. Sein Freund, ein Polizeihauptkommissar, den Martin Olden spricht, glaubt ihm nicht so richtig, dass der Privatdetektiv nichts mit der Sache zu tun hat. Martini gelingt die Flucht im Polizeiwagen, den er schnell wieder loswerden muss. Einen Helfer findet er in Pfarrer Horn von der Bonifatiusgemeinde Sachsenhausen. Inzwischen sind weitere Morde mitten in Frankfurt geschehen. Nun schaltet sich das LKA ein, der Beamte recherchiert bei Teich, dem zwielichtigen Leiter eines Escort-Services, eine Gestalt, die in jedem Satz mindestens einmal das Wort „Scheiße“ verwendet. Die Sprache dieser Person, bravourös von Martin Olden interpretiert, erinnert doch an jemanden. „Semmelrogge“, wirft ein Mann aus dem Publikum ein. Stimmt.

Dann tritt Kommissar Platow auf. Die inzwischen 15 Bände starke Krimi-Reihe von Martin Olden alias Marc Rybicki spielt im Frankfurt der 70er Jahre. „Ich habe hier eine kalte Pfeife in der Hand. Vor über 40 Jahren hätte ich sie noch hier im Café rauchen dürfen“, erklärt der Autor und fragt in die Runde, ob sich denn jemand an einen Pfeife rauchenden Kommissar erinnern könne. Klar, das war Blacky, Joachim Fuchsberger. Ist schon eine Weile her, als „Der weiße Hai“ die Kinos füllte, „Disco“ und „Bonanza“ im Fernsehen gezeigt wurden und Marc Rybicki das Licht der Welt erblickte.

Zu den beiden Autoren gesellte sich Lesepartnerin Daniela Loke. Kurz erläuterte Olden die Platow-Reihe: „Es handelt sich um echte Verbrechen, die ich allerdings in meinen Büchern ins Frankfurt der 70er Jahre verlegt habe.“ Kommissar Joachim (Joe) Platow wird von der Hovawart-Hündin Abba begleitet. (Tatsächlich ist auch ein Hund mit im Gastraum, der verhält sich jedoch vorbildlich ruhig.) Und der Praktikant Mike Notto ist ebenfalls an Platows Seite. „Guten Morgen, Schatz“, streicht Platow zärtlich über das Fahndungsfoto von Petra Helm im Kommissariat. Beide hatten sich in der Tanzschule Wernecke kennengelernt. Seine Verlobte ist inzwischen zur RAF gewechselt. Doch Gefühle gibt es immer noch zwischen den beiden. Mehr nicht?

Eigentlich muss sich Platow um eine ermordete 15-Jährige kümmern. Ist sie Opfer eines GIs? Oder was steckt dahinter? Das Personal in den Platow-Krimis ist bunt, manchmal verwirrend, immer spannend. Alexander Schaub und Martin Olden lernten sich beim Mainbook Verlag kennen und schätzen. Ein gemeinsames Projekt gibt es; eine Art Crossover unter dem Arbeitstitel „Martini trifft Steiner“ – die Kommissar Steiner-Reihe ist ebenfalls von Olden. Ein absolut gelungener Doppel- eigentlich sogar Tripel-Leseabend, der richtig Spaß gemacht hat.

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