Woodstock feiert in Fechenheim seine Wiederauferstehung

Love, Peace und belegte Brötchen

Die „Greyzies“ brachten Woodstock in die Bäckerei Ewald und posierten gerne mit Rainer Ewald (Dritter von rechts) und Marilena Reh. Foto: zlu

Fechenheim (zlu) – Wer will guten Kuchen backen, der muss haben sieben Sachen - Wer in seiner Bäckerei dazu auch noch ein musikalisch-kulturelles Angebot stattfinden lassen möchte, der braucht dafür schon etwas mehr.

Bei Rainer Ewald von der Bäckerei Ewald gibt es neben Brot, Kuchen und Kaffee in lockerer Folge Musikveranstaltungen, Die sind beliebt bei den Fechenheimern.

Kürzlich waren die „Greyzies“ in der Bäckerei zu Gast, die Songs des legendären Woodstock-Festivals wieder aufleben ließen. Die vier Herren präsentierten eine Woodstock-Revue in entspannter Atmosphäre, übersetzen Textpassagen und gaben Anekdoten über das Musikfestival zum Besten. Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass die Bäckerei regelmäßig zu musikalischen Genüssen einlädt?

Rainer Ewald liebt Musik, spielt selbst Gitarre in einer Garagenband und träumte schon immer von einem Leben mit anderen Arbeitsbedingungen als üblich, vor allem von einem ohne Chef. Nachdem er bei seinem Vater in die Lehre gegangen war und der es gern gesehen hätte, wenn er den 1912 gegründeten Familienbetrieb weitergeführt hätte, entschied sich Ewald sich jedoch erst einmal für eine ganz andere Laufbahn und wurde Lehrer.

Drei Pächter und mehr als 40 Jahre später machte Ewald seinen Traum dann wahr: Die Bäckerei in Alt-Fechenheim 86 sollte wieder in Familienbesitz übergehen. Vor vier Jahren legten dann alle zusammen und kauften Opa Ferdinands Vermächtnis zurück. Nun führt Rainer Ewalds Sohn Tom Reh in der vierten Generation den Laden, der eine große Auswahl an Bio-Vollkorn-Produkten, belegten Brötchen, verschiedenen traditionellen Backwaren, Kaffeesorten und kleinen Mittagsgerichten anbietet und sich auf kunstvolle Torten spezialisiert hat.

Da Papa Rainer immer noch gerne selbst auf Konzerte, zum Beispiel in der Batschkapp geht und gute Beziehungen zur lokalen Musikszene pflegt, wurde das zur Bäckerei dazugehörige kleine Café sporadisch zum Raum für musikalisch-kulturelle Begegnungen umfunktioniert. Das Ganze wurde im Stadtteil unerwartet gut angenommen und hatte sich irgendwann so etabliert, dass die Veranstaltungen in die große ehemaligen Backstube verlegt wurden. Die bietet nun Platz für eine große Bühne, einen kleinen Tresen und ausreichend Sitzgelegenheiten für die vielen Besucher.

Tom, der selbst einmal eine Kneipe hatte, kümmert sich dort um den Bar-Betrieb. „Und ich unterstütze das Projekt vor allem moralisch”, sagt Schwester Marilena Reh, lacht und hilft dabei dem Personal, Gläser abzuräumen. „Uns ist es vor allem wichtig, dass die Menschen auch mal in ihrem eigenen Stadtteil auf Veranstaltungen gehen können und dort zusammen kommen”, erklärt Tom Reh.

Auf die Frage hin, wie das denn alles so einvernehmlich funktioniere, antwortet sein Vater nur verschmitzt: „Ich hatte halt Glück mit meinen Kindern. It’s a family tradition.” So schuf die Familie Ewald mit wenigen Mitteln, dafür mit umso mehr Liebe und Engagement einen Treffpunkt der eher ungewöhnlichen Art, der schon längst über seine Stadtteilgrenzen hinaus bekannt ist.

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