„Fechenheim liest ein Buch“

Lesend die Stadt neu betrachten

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Susanne Gfrörer, Gabriele Fachinger und Marietheres Rühle (von links) mit der Neuausgabe und dem von Mosebach signierten Roman.

Fechenheim (jf) – Es wurde voll zur Veranstaltung von „Frankfurt liest ein Buch“ in der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) der Gemeinde Herz Jesu. Bibliotheksleiterin Susanne Gfrörer begrüßte zum Gespräch die Literaturpädagogin Gabriele Fachinger.

Bibliotheksleiterin Susanne Gfrörer begrüßte zum Gespräch die Literaturpädagogin Gabriele Fachinger. Sie war schon oft in der Bücherei zu Gast. „,Frankfurt liest ein Buch’ ist eine wunderbare Aktion, um sich auf andere Weise durch die Stadt zu bewegen und sie neu zu entdecken“, sagte Fachinger. Das Gespräch soll dazu anregen, sich mit dem diesjährigen Buch „Westend“ von Martin Mosebach zu beschäftigen. Marietheres Rühle hatte ein Exemplar der 1992 erschienenen Erstauflage mitgebracht, signiert von Martin Mosebach. „1999 war er im Melanchthonhaus beim Verein der Nachbarschaftshilfe ‚Adsum’ zu Gast“, erzählte Rühle.

Fachinger ging zunächst auf den Autor ein, der noch heute im Westend wohnt. Mosebach, 1951 in Frankfurt geboren, studierte Jura und veröffentlichte 1983 sein erstes Buch „Das Bett“. Es eröffnet die Frankfurt-Pentalogie. „Westend“ folgte als zweites Buch neun Jahre später. Fast sieben Jahre hatte der Autor an diesem Roman, den er als seinen wichtigsten bezeichnet, geschrieben. Die Arbeit sei „fordernd, ernüchternd und quälend“ gewesen, gestand Mosebach in einem Interview.

Der Schriftsteller habe ein kritisches Verhältnis zu Frankfurt. Im 2002 erschienen Buch „Mein Frankfurt“ schreibt er: „Es gehört zu meinem besonderen Verhältnis zu meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main, dass ich sie als eine der verdorbensten und hässlichsten Städte Deutschlands erlebe und in meiner Fantasie und in meinem inneren Bild von der Stadt an sie als eine der schönsten Städte denke, die ich kenne. Ein Frankfurt der Vorstellung und das reale Frankfurt wohnen in mir dicht nebeneinander und berühren sich und überlappen sich sogar.“

Gabriele Fachinger erzählte vom ersten Buch, das Mosebach als Kind beeindruckte; es war „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann. Eingeprägt hat sich wohl bei vielen ein Satz aus dem „Zappelphilipp“: „Und die Mutter blickte stumm auf dem ganzen Tisch herum.“

Fachinger hatte ihr mit bunten Klebestreifen gespicktes „Westend“-Exemplar mitgebracht. Gleich zu Beginn wird Fechenheim im Zusammenhang mit Alfred Labontés Kanufahrt erwähnt: „Die Biegung, die der Main bei Fechenheim macht, läßt ihn wie einen breiten Strom erscheinen, in dem es neben der Hauptströmung auch Gegenströmungen und ganz stille Wasserflächen gibt.“

Fachinger sprach über die vielen, oft sehr genau geschilderten Personen im Roman, die ganz unterschiedlichen Bevölkerungsschichten angehören. Außerdem las sie eine Passage zur religiösen, nämlich katholischen Erziehung des kleinen Alfred im protestantischen Haus der Schwestern Labonté.

Die Veranstaltung war ein einstündiger Appetithappen, der Lust auf das Buch machen sollte, das selbstverständlich in der Bücherei ausgeliehen werden könne, wie Susanne Gfrörer unterstrich. Eine weitere Anregung zur Lektüre waren Fotos der im Roman genannten Häuser im Westend – Gabriele Fachinger hatte sich selbst mit der Kamera auf Spurensuche begeben und die Bilder mitgebracht.

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