Musikkabarett „Duo Camillo“sucht in der Glaubenskirche „Altarnative Wahrheiten“

Jesu Krippenplatz und Gottes Playlist

Das „Duo Camillo“, Martin Schultheiß (links) und Fabian Vogt, betreibt in Fechenheim „Paradoxe Seelsorge“ mit Sticheleien. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Der Saal in der evangelischen Glaubenskirche füllte sich rasch. Während in Großbritannien der Brexit besiegelt wurde, zog es die Fechenheimer zum Musikkabarett mit dem „Duo Camillo“.

Fabian Vogt und Martin Schultheiß hatten im Programm versprochen, sich auf die Suche nach „Altarnativen Wahrheiten“ zu begeben. Das machte neugierig.

Gleich beim ersten gut gelaunten Lied mit Vogt an der Gitarre und Schultheiß am Keyboard, in dem die beiden sich dazu bekannten, den Moment zu feiern, stieg das Publikum direkt mit ein. Aber gleich nach dem Song mussten die Zuschauer jede Menge Spitzen gegen sich und Fechenheim einstecken, die quasi am Fließband abgefeuert wurden: „In Fechenheim ist man dem Himmel näher. Das liegt wohl am Durchschnittsalter der Einwohner.“

Doch auch untereinander frotzelten sich die beiden. Vogt behauptete mit Blick auf die fehlende Haarpracht seines Mitstreiters, dessen Lieblingssong wäre „My Pony is over the Ocean“. „Paradoxe Seelsorge“ nannte Schultheiß die Vogtschen Sticheleien. Seine Empfehlung: „Wer auf der Arbeit gemobbt wird, soll sich mal eine halbe Stunde mit Fabian unterhalten, danach findet er die Kollegen ganz nett.“

Mit Wortspielereien und Kalauern begaben sich die musikalischen Humoristen auf die angekündigte Wahrheitssuche. Dabei kam ihnen bereits die Weihnachtsgeschichte unrealistisch vor. „Kaum wurde Jesus geboren, hatte er schon einen Krippenplatz“, staunte das Duo.

Die Wahrheit sei hochkomplex und subjektiv, hatten die beiden schließlich herausgefunden. „Was ist gesunde Ernährung? Frag das einen Veganer und einen Wurstfabrikanten. Jeder versieht die Welt mit seiner eigenen Wahrheit“, lautete das Fazit.

Die beiden machten sich zudem Gedanken, wie Gott aussehe, was für ein Typ er wohl sei und welche Songs er auf seiner Playlist habe. Im Himmel würden doch nicht nur Bach und Händel laufen – da war sich das Duo sicher. Mit viel Improvisationstalent bewies Schultheiß anhand des Kirchenlieds „Gott ist gegenwärtig“, wie schmissig diese Komposition als Swing-, Tango-, Boogie Woogie- und Gospelvariante klingen kann. Ihr Motto sei, frei nach Luther, Gott fröhlich und mit Humor zu begegnen.

Zum Schluss gab es eine Improvisation: Das Publikum sollte dem Duo Begriffe zurufen, aus denen sie spontan ein Lied über Fechenheims Zukunft zaubern wollten. „Riederwaldtunnel“ hieß es da aus den ersten Reihen. „Was habt ihr denn von dem?“, fragten die Humoristen zurück. Schweigen. Dann zögerlich: „Nix. Mehr Verkehr.“ Schnell rief jemand: „Eine Schallschutzwand!“ Und schließlich: „Aber mit offenen Türen für die Frösche!“ Natürlich fielen auch Begriffe wie Hoffnung, gemütliche Ökumene und Pfarrer Zick – schließlich war man ja in der Glaubenskirche. Wie Vogt und Schultheiß es tatsächlich schafften, aus diesem Durcheinander einen pfiffigen Tango-Hit zu schustern, der sogar einen Sinn ergab, bleibt wohl ihr Geheimnis – 30 Jahre gemeinsame Bühnenerfahrung als „Duo Camillo“ könnten dabei eine Rolle gespielt haben. Das Publikum zollte den Wortakrobaten und Musikvirtuosen reichlich Applaus.

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