Irrer Rhythmus zwischen Paketen

Belgische Theatergruppe präsentiert „Pakman“ im Lieferwagen

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Lieferservice-Wahnsinn, dargestellt als wilde Jonglage- und Trommelnummer: „Pakman“ begeistert in Fechenheim.

Fechenheim (sh) – Als Zuschauer der Aufführung von „Pakman“ sollte man noch einmal tief Luft holen, bevor es losgeht, denn während der rasanten Nummer bleibt keine Zeit mehr zum Atmen.

Die belgische Theatergruppe „Post uit Hessdalen“ gastiert während des Kinder- und Jugendtheaterfestivals „Starke Stücke“ in mehreren Stadtteilen. Auch in Fechenheim beeindruckten die Künstler mit ihrer Jonglage- und Rhythmus-Performance. Jongleur Stijn Grupping und Trommler Frederik Meulyzer bringen den Aufführungsort zu „Pakman“ gleich mit: Das kurze aber intensive Stück spielt im Inneren eines Paket-Trucks. Die rund 25 Zuschauer sitzen auf stabilen Kartons, die per Fließband durch ein Loch in einer Plexiglasscheibe in den kleinen Zuschauerraum transportiert werden. „Pakman“ hat noch eine kurze Kaffeepause, doch dann geht der Stress los. Die Uhr tickt erbarmungslos und es müssen jede Menge Pakete ausgeliefert werden. Die sich steigernde Hektik verdeutlicht Grupping, indem er Gummibälle präzise in einer irren Choreografie von Tisch, Wänden und Decke abprallen lässt, dazu spielt Meulyzer einen wilden, aber exakten Trommeltanz. Die beiden gönnen sich nur kurze Pausen, dann trötet wieder der Wecker und der Stress geht weiter.

Das Timing ist perfekt, die Show atemberaubend. „Unsere Idee ist, den Lieferservice-Wahnsinn darzustellen. Man bestellt nachts etwas und erwartet, dass die Ware schon morgens früh vor der Haustür steht“, verdeutlicht Grupping die Botschaft von „Pakman“. Er hat bereits als Kind die Kunst des Jonglierens erlernt, Performance-Partner Meulyzer spielt ebenfalls von Kindesbeinen an Schlagzeug. Zwei Jahre hat das Duo für sein Programm unter der künstlerischen Leitung von Ine Van Baelen trainiert, seit Juli 2016 sind sie mit ihrem Spezial-Truck auf Tour. „Langweilig wird uns die Show nicht, im Gegenteil, wir bauen immer mal neue Abläufe ein“, sagt Grupping.

Das Jonglieren und Trommeln im engen Lastwagen ist eine große Herausforderung, aber so ein Gefährt als eigener Aufführungsort hat natürlich auch Vorteile. „Wir können überall spielen – auf Schulhöfen sowie in kleinen Ortschaften, die keinen Veranstaltungsraum haben“, sagt Meulyzer. „Pakman“ kommt übrigens komplett ohne Sprache aus und ist auch für erwachsene Zuschauer ein einmaliges Erlebnis. Die Aufführung ist heute in Hattersheim zu sehen, am Donnerstag in Zeilsheim, am Freitag in Sindlingen und am Samstag im Nordwestzentrum. Weitere Informationen unter www.starke-stuecke.net.

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