Großes Interesse an Führung durch Fechenheimer Hochbunker

Ein Mahnmal gegen den Krieg

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Die Führung durch den zu einem Wohnhaus umgebauten Bunker mit Stefan Timpe interessierte viele Fechenheimer. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Eigentlich sind sie keine Schmuckstücke und als Denkmal eher unbequem, denn sie erinnern an schlimme Zeiten. Dennoch stehen einige Frankfurter Bunker unter Denkmalschutz.

„Sie sind Mahnmale gegen Krieg und Faschismus“, erklärt Stefan Timpe vom Denkmalamt, der zu einer Führung im Fechenheimer Hochbunker an der Gründenseestraße eingeladen hat. Die Nachfrage war so enorm, dass eine Sonderführung am 16. Oktober angeboten wird.

Der Rundgang durch das schützende Bauwerk beginnt in der verglasten Galerie an der Seite des Objekts. Dort soll laut Timpe noch eine Erklärungstafel mit dem geschichtlichen Hintergrund aufgehängt werden. Erbaut wurde der Luftschutzbunker an der Gründenseestraße im Jahr 1941 nach den Plänen des Architekten Adam Heinrich Aßmann. Auffällig ist die aufwendige Gestaltung des Gebäudes – mit einem Walmdach und einem Turm. „Das sollte Angreifern aus der Luft suggerieren, dass es sich um eine Kirche handelt“, erklärt Timpe. Offenbar mit Erfolg: Der Bunker hat die Angriffe unbeschadet überstanden. Die Bombensicherheit sei laut Timpe durch einen Stampfbetonbau, in den Gitternetzsysteme aus Stahl eingelassen sind, gewährleistet. Der Bunker war für 690 Menschen ausgelegt und verfügte über zwei Gänge, zwei Treppenhäuser, Toilettenanlagen und Waschräume.

2007 begann der Bund, die Bunker in Deutschland zu entwidmen und zu verkaufen. Für den Fechenheimer Hochbunker fand sich 2017 ein Investor, der das Bauwerk nach Denkmalschutzvorgaben zu einem Wohnhaus umbaute. „Der Eigentümer ist ein Bunker-Liebhaber und die Zusammenarbeit läuft sehr gut“, sagt Timpe.

Der Umbau eines Schutzbunkers erfordert besondere Werkzeuge. So seien zum Beispiel aus den zwei Meter dicken Wände Türen und Fenster mittels eines Stahlseils ausgesägt worden, erklärt Timpe. Der Fußboden im Eingangsbereich ist noch im Originalzustand erhalten, die Treppe wurde restauriert, wobei die für die 40er Jahre typische Farbgebung verwendet wurde.

Im Kontrast zum authentischen Treppenhaus stehen die modernen Wohngeschosse. Die Maisonnettewohnungen sind mit hellem Laminat versehen, haben Fußbodenheizung und eine offene Küche.

Zum Abschluss der Tour geht es in das nicht bombensichere Dach. Timpe empfiehlt, die aus Ziegeln gemauerten Rundbögen auf sich wirken zu lassen. „Das hat fast schon etwas Sakrales“, sagt er.

Wer bei der Führung am Mittwoch, 16. Oktober, um 18 Uhr dabeisein möchte, muss sich per E-Mail bis 10. Oktober unter denkmalamt@stadt-frankfurt.de anmelden. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich.

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