Unterhaltsame Zeitreise

The Greyzies begeistern in Bäckerei Ewald

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The Greyzies entführen das Publikum in die Zeit von Neil Young und Bob Dylan.

Fechenheim (jf) – Eigentlich sind The Greyzies ein Duo, nämlich Johannes Schilling und Thomas Stotz.

In der alten Backstube der Bäckerei Ewald hatten sie sich mit dem Gitarristen Hermann Praetorius und Christopher Krumscheid an der Cajón verstärkt, um zu viert und gemeinsam mit dem Publikum auf Zeitreise durch die 60er bis zu den 80er Jahren zu gehen. Das Quartett startete mit Schillings Eigenkomposition „Ich bin ein Kind der 70er Jahre“. „Die Welt war berauscht und frei“, hieß es da. Aber neben Hippies und freier Liebe gab auch jede Menge Gewalt: Die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München, Watergate, die RAF. Den Moment genießen bedeutete auch „Love The One You’re With“ von Crosby, Stills and Nash – der Satzgesang der drei Gitarristen kam gut an.

Das Ideal blieb allerdings nicht die Gelegenheit, sondern die „Traumfrau“ (Schilling), die man auch auffordert: „Komm lass uns tanzen gehen“ (ebenfalls Schilling). Beim Riff von „Smoke On The Water“ war damals die Tanzfläche voll. Daran erinnerten sich viele.

Entpuppe sich die Traumfrau allerdings als Fehlschlag, sollte man rechtzeitig abhauen, mit einem Becher Kaffee für den Weg, wie Bob Dylan in „One More Cup Of Coffee“. Wenn schon nicht die richtige Frau, warum nicht etwas ganz anderes? Einen „Walk On The Wild Side“ beispielsweise, den Lou Reed 1972 besang – und David Bowie produzierte. Das Publikum summte beim „doo, doo, doo“ mit. 1969 erschien „Helplessly Hoping“ von Crosby, Stills and Nash, ein schwierig zu entschlüsselnder, melancholischer Text – aber ein toller Satzgesang.

Die Mundharmonika (Stotz) durfte nicht fehlen, als „Rust Never Sleeps“ von Neil Young gespielt wurde. Der Rock’n’Roll ist halt nicht totzukriegen. Nicht rostfrei, sondern rastlos und auf der Straße lebend ging es weiter mit „Like A Rolling Stone“ aus dem Jahr 1979 von Bob Dylan. 33 Jahre später beschwor Neil Young „Rockin’ In The Free World“ – es geht weiter, obwohl die Welt ringsum nicht in Ordnung ist.

„Hitze in Dosen“ („Canned Heat“) wurde anschließend serviert. 1968 lobten sie in „Going Up The Country“ Landleben und Abenteuer. Zwischendurch bewegte sich Rainer Ewald nicht mit einem Hut, sondern mit einem Brotkörbchen durch die Reihen und sammelte für die Musiker. Einiges kam zusammen.

Vielleicht dachte Schilling bei seinem Song „Big Business“ auch eher an Landleben, denn „auf der Wall Street of happiness ist Glück nur eine Zahl“. Da passte mit „Ein Tag im Universum“ ein weiterer Schilling-Text gut ins Repertoire. „Welcome To Migration“, ein deutscher Schilling-Titel mit Kritik an der Politik, folgte. Ebenfalls kritisch äußerte sich Neil Young 1970 sehr spontan zur Tötung von vier Studenten auf dem Campus der Kent State University in Ohio – sie protestierten gegen die Ausweitung des Vietnamkriegs auf Kambodscha. Die Täter wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Die B-Seite der Single ist „Find The Cost Of Freedom“, Kriege und Sterben der Soldaten werden hinterfragt. Nicht nur Satzgesang, sogar ein bisschen Bühnenballett war beim nächsten Song, „Road To Nowhere“ von den Talking Heads angesagt. Vielleicht führt der Weg ja doch ins Paradies? Und vielleicht auch über den „Highway 61“ von Bob Dylan, einer legendären Straße. Oder doch auf der „Road To Hell“ von Chris Rea?

Das begeisternde Backstuben-Konzert wurde mit „Sympathie For The Devil“ von den Rolling Stones beendet. Beim „ooh-whoo“ stimmten wieder alle ein. Klar mussten die vier Musiker noch einige Zugaben geben: „Teach Your Children Well“ in Ansätzen, „Slow Train Coming“ und „It’s All Over Now, Baby Blue“ komplettierten die unterhaltsame Zeitreise. Die Band, erstmals in dieser Zusammensetzung unterwegs, versprach: „Wir kommen gerne wieder.“ Bis dahin kann man die Titel ja auf YouTube nachhören.

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