Langjähriger Organist

Musikalisches Adieu: Kirchengemeinde verabschiedet Martin Höllenriegel

Die Evangelische Kirchengemeinde verabschiedete ihren Kirchenmusiker Martin Höllenriegel (links). Foto: eis
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Die Evangelische Kirchengemeinde verabschiedete ihren Kirchenmusiker Martin Höllenriegel (links).

Die Evangelische Kirchengemeinde Fechenheim verabschiedete ihren langjährigen Organisten Martin Höllenriegel. In einem würdigen Gottesdienst mit viel Musik, spielte Höllenriegel selbst zum letzten Mal die Orgel.

Fechenheim – Während der dafür abgeänderten Liturgie sang die Gemeinde Strophen des von Martin Luther geschriebenen Lieds „Nun freut euch lieben Christen g’mein“ – eines der Lieblingslieder des Organisten.

In seiner Predigt befasste sich Pfarrer Arne Zick mit der Entstehung eines weiteren Lieblingslieds Höllenriegels, nämlich „Bis hierher hat mich Gott gebracht“. Die Autorin Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt war eine Gräfin, die in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg vielen Familien half, mit den Kriegsfolgen fertig zu werden. Dennoch spricht aus dem Lied große Hoffnung und Gottvertrauen. Pfarrer Zick zog eine Parallele zu dem wenige Tage zuvor geschehenen Anschlag in Hanau. Auch ihn selbst beschäftige die Frage, wie man bei solchen Ereignissen an Gottes Treue und Güte glauben könne. Dennoch stelle er bei sich selbst fest, dass ihm gerade in solch schwierigen Zeiten der Glaube helfe, solche Ereignisse zu verarbeiten.

Anschließend hielt Marion Kloster, die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands, die Laudatio. Kloster würdigte das musikalische Wirken des Kirchenmusikers in Fechenheim. Seit Mai 1997 begleitete der Organist, Gesangspädagoge und Chorleiter, zunächst auf Honorarbasis und später mit einem festen Vertrag, die Gottesdienste. Da erklangen auch schon mal Kirchenlieder in eher „ausgefallenen“ Arrangements. Zahlreiche Andachten im Heinrich-Schleich-Haus begleitete der Organist und leitete anfangs auch den Singkreis in Fechenheim-Nord. Darüber hinaus prägte Höllenriegel mit Konzerten und Projekten die Kirchenmusik in Fechenheim. Gut angenommen wurde beispielsweise das „Banchetto Musicale“, eine Mischung aus Konzert und mehrgängigem Menü.

Fechenheim: Kirchengemeinde verabschiedet langjährigen Organisten

Am besten in Erinnerung dürften vielen Fechenheimern aber die „Swinging Christmas“-Workshops und -Konzerte geblieben sein. Noch im vergangenen Dezember waren da „Engel“ das Thema. Zuletzt begleitete der Kirchenmusiker auch die „Pop-Gottesdienste“.

Durch über Jahre gewachsenes gegenseitiges Vertrauen habe die Gemeinde ihm Raum gegeben, neue Ideen auszuprobieren, sagte Marion Kloster. Von August 2015 bis Januar 2016 unternahm Höllenriegel während eines Sabbaticals eine Studienreise in den Libanon. „Es war ein gutes Geben und Nehmen in all den Jahren“, resümierte die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende. Mit einem irischen Segenswunsch, einem Blumenstrauß und einem Geschenk wurde Martin Höllenriegel dann offiziell verabschiedet. Er dankte der Gemeinde für die gute Zeit und viele interessante Begegnungen. „Nun werde ich doch von meinen Emotionen überwältigt“, sagte der Organist. Schließlich stimmte er mit „Time to say Goodbye” sein letztes Lied auf der Orgel der Melanchthonkirche an.

Beim anschließenden Empfang im Gemeindesaal wurde ihm von Fechenheimerinnen und Teilnehmerinnen des „Swinging Christmas“-Projektchors noch ein kleines Abschiedsständchen dargebracht. Am meisten an Fechenheim vermissen werde Martin Höllenriegel, der in Enkheim wohnt, die räumliche Nähe zu seinem Arbeitsplatz und die Vertrautheit. An seiner neuen Wirkungsstätte müsse er sich nun neu zurechtfinden. „Aber das ist natürlich auch eine schöne Herausforderung“, sagte der Kirchenmusiker.

Künftig wird Höllenriegel im Gallusviertel tätig sein, in der dortigen evangelischen Gemeinde Frieden und Versöhnung. Neben der auch dort zu versehenden musikalischen Gottesdienstbegleitung wird er auch einen Chor leiten.

(eis)

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