Drittes Internationales Frauen-Theater-Festival

Frauen in der Kunst müssen sichtbarer werden

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Katja Kämmerer, Haike Rausch, Jan Deck und Barbara Carvalho in der Jurte Foto: Faure

Fechenheim (jf) – Der kleine Eisenofen in der mongolischen Jurte bullert – es ist richtig warm im Rundzelt.

Barbara Carvalho, Mitorganisatorin des dritten Internationalen Frauen- Theater-Festivals und Sprecherin der vor über einem Jahr gegründeten „Koalition der Freien Szene“ in Frankfurt, begrüßt die Gäste. Haike Rausch, ebenfalls eine von acht Sprecherinnen und Sprechern der Koalition, erklärt kurz das Ziel des Zusammenschlusses: „Wir fordern eine Verbesserung der freien Künste. “ Das Gespräch dient dem Erfahrungsaustausch, deshalb stellen sich zunächst alle Teilnehmer vor. Dass Männer auch in künstlerischen Berufen besser als Frauen bezahlt werden, ist kein Geheimnis. Doch im Studienbetrieb gibt es wesentlich mehr Frauen als Männer. Was geht da später schief?.

„Wir reden seit 2017 nicht mehr nur über dieses Thema, sondern tun mit dem Frauen- Theater-Festival auch etwas“, erklärte Carvalho. Über 120 Projekte haben sich für die viertägige Veranstaltungsreihe beworben, die Auswahl fiel nicht leicht. Monate vorher waren bei zwölf verschiedenen Stellen Anträge auf Fördermittel gestellt worden, eine bürokratische Herausforderung für die aus Brasilien stammende Carvalho. „Die weibliche Szene ist so vielfältig. Aber sie muss aus der Ecke heraustreten“, fordert die engagierte Künstlerin. Es gehe auch um Vertrauen in die künstlerische Arbeit von Frauen.

Es fange bereits mit der Sprache an: „Wenn Männer auftreten, handelt es sich um eine Rockband. Sind Musikerinnen auf der Bühne, wird von einer Frauenrockband gesprochen. Komisch“, äußerte Mane Stelzer vom Frauen Musik Büro Frankfurt. „Frauen müssen zudem ebenfalls gut bezahlt werden.“ Es gebe viele Profimusikerinnen – aber sie seien zu wenig gefragt und würden sich immer noch mit Zuschreibungen auseinandersetzen müssen. „Ich habe das Gefühl, dass die Strukturen falsch sind“, meinte Stelzer. Eine Quotenregelung wird von den meisten Gesprächsteilnehmern befürwortet. „Das Schauspiel Frankfurt und die Oper haben gegenwärtig etwa 20 Prozent weibliche Inszenierungen, das Verhältnis hat sich verschlechtert“, berichtete Jan Deck, Koalition der Freien Szene. In der Freien Szene sei das etwas anders, aber es gebe noch Luft nach oben. „In München sieht das auch nicht besser aus“, äußerte die aus Neuseeland stammende Künstlerin Helen Varley Jamieson, die seit 2010 in München lebt und arbeitet. Sie musste sich gehörig umstellen, denn in Neuseeland gibt es auf künstlerischem Gebiet wesentlich mehr Freiheiten und mehr Miteinander.

„Können wir das Mann-Frau-Ding nicht einfach hinter uns lassen? Es geht doch um Menschen!“, wünscht sich Haike Rausch. Doch vorher müsse mit festgesetzten Bildern in den Hirnen aufgeräumt werden.

„Als vor 30 Jahren Antagon gegründet wurde, waren drei Frauen und drei Männer dabei. Ich glaube, wir waren damals nicht reif genug, um zu begreifen, dass wir uns später alle auch um die Kinder kümmern mussten. Das hat sich geändert.“ Stimmt. Von draußen dringen fröhliche Kinderstimmen ins Zelt. Da kümmern sich wohl die Väter um den Nachwuchs, während die Mütter im Zelt mitdiskutieren. Funktioniert also. Leider eben noch nicht überall.

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