Harald Brörken installiert schwimmendes „Wellenpendel“ auf dem Main

Boote lassen das Kunstwerk schwingen

Auf einer Wellenlänge: Fluss-Freund Harald Brörken hat ein Schwimmobjekt für den Main gebaut. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Gemächlich schiebt sich der riesige Tanker „Tizian“ über den Main. Schnell springt Harald Brörken in seine Badehose, hechtet ins Wasser und hält sein Kunstwerk fest. Bei dem schwimmenden Objekt „Wellenpendel“ muss noch an der Stabilität nachgebessert werden.

Das stellte sich heraus, als der Künstler sein Exponat an der kleinen Bucht auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Alt-Fechenheim zu Wasser ließ.

Das Wellenpendel besteht aus pyramidenförmigen Schwimmkörpern aus Polypropylen, zwischen denen bewegliche Platten montiert sind. Von diesen ragen mit roten Kugeln versehene Stangen aus dem Wasser. An jedem Schwimmkörper befinden sich zwei Anker, damit sich das Kunstwerk nicht selbstständig macht. Vorbeifahrende Boote sollen mit ihren Bugwellen die Pendel in Schwingungen versetzen. Doch der Designer hatte die Rechnung ohne die Sogwirkung der großen Tanker und Frachtschiffe gemacht. „Das Wasser zieht sich um rund einen halben Meter zurück, wenn die großen Schiffe kommen. Dann kippt das Objekt um“, erklärt er. Um sein Kunstwerk stabiler zu machen, hat er auch schon einen Plan: Die spitz zulaufenden Pontons gegen würfelförmige zu tauschen.

Harald Brörken hat das Kunstwerk für den Main in seinem Atelier an der Leinwebergasse entworfen und gebaut. Das Atelier hat er ursprünglich im Rahmen eines Zwischennutzungskonzepts der Leerstandsagentur Radar bezogen. „Es war nach dem ,Workshop’, wo Buchbinden und Siebdruck angeboten wurden, und den Keramik-Arbeiten von ,Hartmud’ das dritte Projekt im Fechenheimer Ortskern. Aus diesem hat sich ein dauerhaftes Mietverhältnis entwickelt“, freut sich Felix Hevelke von Radar über die gelungene Belebung des Quartiers. Brörken ist ebenfalls glücklich mit dem Standort seines Arbeitsplatzes: „Ich habe eine starke Affinität zum Wasser. Da freut es mich natürlich besonders, dass mein Atelier so nah am Fluss ist.“

Das Wellenpendel war nicht die erste Wahl für das Kunstwerk auf dem Main. „Anfangs stellte ich Überlegungen an, ein Schwimmobjekt zu bauen, das von der Dynamik des Flusses angetrieben wird. Im vergangenen Frühjahr habe ich aber festgestellt, dass der Main dafür nicht genügend Strömung hat“, sagt Brörken. Erst dann sei ihm die Idee für ein Objekt gekommen, dass von den Schiffswellen bewegt wird.

Da das Wellenpendel nun noch optimiert werden muss, bekamen die Zuschauer beim feierlichen Einsetzen eine kürzere Variante davon zu sehen. Das Interesse daran war dennoch groß und von Enttäuschung war aufseiten des Künstlers und des Publikums nicht die Spur zu erkennen. In lockerer Atmosphäre genossen die Fechenheimer ein Glas Sekt und freuten sich über die Gelegenheit, am idyllischen Mainufer zusammenzukommen.

Das überarbeitete Wellenpendel wird rund 14 Tage den Main zieren, dann wird es wieder abgebaut. „Viele meiner Objekte sind nur temporär. Wir müssen die Welt nicht mit Kunstwerken vollstellen“, sagt Brörken.

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