Initiative Stolpersteine beleuchtet Geschichte in Fechenheim

Beklemmende Ereignisse

Hartmut Schmidt (links) und Karl Langensiepen stellen den zweiten Band des Buches „Stolpersteine in Frankfurt“ vor. Foto: zjs

Fechenheim (zjs) – Im Interkulturellen Begegnungs- und Servicezentrum Fechenheim unter Leitung von Naoual Alyarrudi trafen sich die Initiatoren der „Initiative Stolpersteine Frankfurt“, um dort am Tag der Novemberpogrome die Geschichte der Judenvertreibung in Fechenheim zu beleuchten und den zweiten Band des gleichnamigen Buches vorzustellen.

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Hartmut Schmidt und Karl Langensiepen sind die beiden Verantwortlichen der Gemeinschaft, die seit 2003 besteht und bislang die Verlegung von 1500 Steinen veranlasst hat. Die Steine sind zehn mal zehn mal zehn Zentimeter große Betonquader, auf deren Oberseite eine Messingplatte verankert ist. Darauf werden die Namen und Daten von Menschen eingraviert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Die ursprüngliche Idee dazu kommt von Gunter Demnig, der bisher in mehr als 1200 Städten und Gemeinden sowie in 24 europäischen Ländern mehr als 70.000 Stolpersteine verlegt hat.

In Fechenheim haben sich die Veranstalter absichtlich die Begegnungsstätte ausgesucht, „denn das Haus Alt-Fechenheim 89 hat eine lange Geschichte“, weiß Karl Langensiepen. 1908 hatte Heinrich Stern mit seinem Bruder Sally ein Textilgeschäft in dem Gebäude gegründet, in dem die Familie auch wohnte. 1928 eröffnete er sein eigenes Geschäft in der Hausnummer 81. Nach dem Kaufboykott gegen jüdische Geschäfte brach ab 1933 der Umsatz ein. Bereits in den Jahren danach eskalierten die Ausschreitungen, sodass er 1935 das Geschäft aufgeben musste. 1938 wurde Heinrich Stern nach Buchenwald verschleppt, wo er noch im gleichen Jahr ermordet wurde. Seiner Frau und Tochter gelang die Flucht in die USA, sein Bruder mit Familie emigrierte nach Südafrika. Karl Langensiepen und Hartmut Schmidt begleiteten die Erzählungen mit einer Präsentation alter Fotos und recherchierter historischer Materialen. Sie berichteten, dass Fechenheim 1928 eingemeindet wurde und die Deportationen von Frankfurt über die ehemalige Großmarkthalle abgewickelt wurden, während die jüdischen Mitbürger aus Bergen-Enkheim vom Bahnhof Mainkur abtransportiert wurden. Es waren beklemmende Geschichten, die die rund 30 Zuhörer erfuhren. Wie die Schicksale der Familien Becker oder Meyer, Betreiber der Metzgerei in Alt-Fechenheim. „Der Hass, der heute auf der Straße gebrüllt wird, liest man in den sozialen Netzwerken“, sagte Langensiepen.

Im zweiten Band des Buches „Stolpersteine in Frankfurt“ gibt es zehn Rundgänge in den Frankfurter Stadtteilen mit ausführlicher Geschichte und Fotos, ISBN 978-3-95558-241-8, Kostenpunkt: 15 Euro. Im Anschluss an den Vortrag gab es einen Rundgang durch Fechenheim, bei dem die beiden Historiker Interessantes aus der Vergangenheit berichteten.

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