Verein Zukunft Fechenheim stellt Chemiestandort zur Diskussion

Angst vor weiteren Belastungen

Anwohnern stinkt es: Die auf dem Allessa-Gelände gelagerten Bahnschwellen riechen im Sommer fies. Die Planen nützen nichts. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Den Anwohnern rund um das Gelände des Unternehmens Allessa-Chemie stinkt es. Berge von imprägnierten Bahnschwellen lagern dort und verströmen vor allem bei sommerlicher Wärme üble Gerüche.

Das auf dem Gelände befindliche Braunkohlestaubkraftwerk stößt Schadstoffe aus und demnächst will sich noch ein Recyclingunternehmen auf dem Areal ansiedeln. Grund genug für den Verein Zukunft Fechenheim, den Chemiestandort zum Thema eines Stadtteilgesprächs zu machen.

Viele Interessierte waren der Einladung des Vereins im Begegnungs- und Servicezentrum des Frankfurter Verbands gefolgt und erwarteten mit Spannung den von Armin Burger-Adler und Joachim Werner moderierten Abend. Gegenüber Gästen wie dem Allessa-Geschäftsführer Wolfgang Böhm und der Stadtverordneten Ursula auf der Heide (Grüne) äußerten die Fechenheimer ihre Bedenken nicht nur gegenüber des neuen Recyclingbetriebs. So gab es beispielsweise Befürchtungen, dass mit der Aufgabe der chemischen Produktion am Standort Griesheim weitere Störfallbetriebe nach Fechenheim kommen könnten. Der Boden sei ohnehin schon durch die Altlasten von Cassella verseucht, hieß es aus dem Publikum. Böhm versuchte, die Bedenken zu zerstreuen und versicherte, dass es bei Neuansiedlung von Chemiebetrieben nicht gestattet sei, noch mehr zu verseuchen. „Früher wurde nicht so sorgsam damit umgegangen“, räumte Böhm ein. Mittlerweile seien in Deutschland gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen worden, die das Regierungspräsidium Darmstadt prüfe und auf deren Einhaltung achte.

Nachvollziehbar seien die Vorbehalte der Fechenheimer gegenüber der Industriebranche allerdings schon, das gestand Ursula auf der Heide den kritischen Stimmen zu. „Die Wahrnehmung ist, dass sich in Fechenheim alles konzentriert, was dreckig und gefährlich ist. Das Braunkohlestaubkraftwerk auf dem Allessa-Gelände hätte nie gebaut werden dürfen. Aber Recycling ist total wichtig. Ich bin der Meinung, es muss viel mehr recycelt werden“, sagte die Politikerin.

Auch aus Gründen der Gewerbesteuer seien Industriestandorte in Frankfurt essenziell, wie die Stadtverordnete betonte. „Viele soziale Projekte hängen am Tropf der Gewerbesteuer. Das ist kein Geheimnis“, sagte auf der Heide.

Thomas Dorn, Ortsbeiratsmitglied (Grüne), warf ein, dass es zwar stimme, dass die Stadt von der Industrie lebe, die müsse aber im Einklang mit den Menschen stehen, die dort leben. Der Dialog mit Allessa hätte sich seiner Ansicht nach nicht verbessert. „Das Unternehmen ist für mich nach wie vor eine undurchschaubare ,Black Box’. Ein Dialog auf Augenhöhe wäre wünschenswert“, sagte Dorn.

Die Frage von „Alt-Cassellaner“ Gerd Göbel, welche Stoffe die Firma denn in Fechenheim recyceln möchte und ob dann auch Gefahrgüter durch den Stadtteil transportiert würden, konnte nicht geklärt werden, denn die Ansiedlung der Recycling-Firma befindet sich noch vor dem Eintritt in das Genehmigungsverfahren. Im Genehmigungsverfahren selbst würden die entsprechenden Stoffe offengelegt, sagte Böhm. „Wir holen uns keine Dreckspatzen auf das Gelände“, versicherte der Allessa-Geschäftsführer.

Die Skepsis der Bürger gegenüber Industriebetrieben komme nicht von ungefähr. „Die Autoindustrie hat mit dem Abgasskandal das Vertrauen verspielt. Diese Skepsis wird auf andere Industriezweige ausgeweitet, auch wenn sie dort unberechtigt ist“, sagte auf der Heide. Die Politikerin berichtete von den guten Erfolgen mit dem Pilotprojekt der Stadt Frankfurt Nachhaltiges Gewerbegebiet Fechenheim-Nord und Seckbach. Dort werden die Unternehmen mithilfe eines Standortmanagers und eines Klimaschutzmanagers stärker miteinander vernetzt und arbeiten besser Hand in Hand.

Der Kritik an den übel riechenden Bahnschwellen, die im auf dem Allessa-Gelände befindlichen Mainova-Biomassekraftwerk verbrannt werden, versprach die Politikerin mitzunehmen.

Der Verein Zukunft Fechenheim lud abschließend zur nächsten Veranstaltung ein: Am 18. November um 19 Uhr findet eine Begehung des Mainkurbahnhofs statt. „Der Bahnhof Mainkur, insbesondere die Unterführung zu den Bahnsteigen, ist in einem schlechten Zustand. Wir wollen mögliche Verbesserungsmaßnahmen ausloten und anstoßen“, heißt es vom Verein Zukunft Fechenheim.

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