Wahrzeichen im neuen Glanz

Sanierung des Weißen Turms abgeschlossen

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Ulrike Schubert, Heike Isensee und Caroline Hero (von links) informierten über das realisierte Sanierungskonzept des Weißen Turms.

Bergen-Enkheim (zko) – Ein besonderes Wahrzeichen Bergen-Enkheims wurde wieder an die Bürger des Stadtteils übergeben: Der in neuem Glanz erstrahlende Weiße Turm, dessen untere Hälfte während einer ersten Bauphase vermutlich bereits um das Jahr 1430 errichtet wurde, wurde vom Frankfurter Denkmalamt und dem Amt für Bau und Immobilien begutachtet und unter sorgfältiger Berücksichtigung aller aktuell wichtigen Kriterien sowie mit gebotener Vorsicht saniert.

Im engen Raum des Erdgeschosses, dem einzigen, der für die Öffentlichkeit überhaupt zugänglich ist, drängten sich Mitglieder des Ortsbeirates 16, der Arbeitsgemeinschaft Heimatmuseum Bergen-Enkheim und andere Interessierte, um über das Konzept und die Schritte der Sanierung informiert zu werden. Heike Isensee, Projektleiterin vom Amt für Bau und Immobilien, erläuterte im Inneren des Wehrturms, wie unterschiedlich sich der Turm über die Jahrhunderte optisch präsentierte und dass bei den Untersuchungen deutlich geworden sei, dass das Bauwerk in mindestens zwei Bauphasen errichtet worden sei. Eine direkte Verbindung mit der angrenzenden Befestigungsmauer auf der nördlichen und westlichen Seite war vorhanden, das Bauwerk war folglich in einer Stadtmauer integriert. Aufgrund von Streitigkeiten der Grafen von Hanau mit der Reichsstadt Frankfurt hätten die Hanauer ungefähr im Jahr 1429 eine Ortsumwehrung errichtet. Obwohl Bergen 50 Jahre später Hanau zugesprochen worden war, habe der Ort seine Stadtmauer bis in das 19. Jahrhundert behalten. Große Teile der Stadtmauer wurden abgetragen und auch der Weiße Turm hätte fallen sollen, aber eine gerichtliche Verfügung des Kasseler Bezirksausschusses im Jahr 1897/98 verhinderte dies glücklicherweise. Unter Denkmalschutz steht der mittlerweile zu den Liegenschaften der Stadt Frankfurt gehörende Turm seit 1986.

Caroline Hero, Konservatorin des Denkmalamts, erläuterte vor Ort, dass die bereits mit Sprengstoff verursachte Öffnung in der Turmwand von der Gemeinde Bergen wieder ausgemauert werden musste. Das Mauerwerk besteht im Erd- und ersten Obergeschoss überwiegend aus heimischem Corbiculakalk, während in der oberen Hälfte mit roten Bundsandsteinen und Basaltlava gemauert wurde. Fünf Gerüstlagen aus dem Mittelalter wurden während der Sanierungsarbeiten gefunden, was für die Annahme spreche, dass es mindestens zwei Bauphasen am Schaft des Turmes gegeben hat, sagte die für die baugeschichtliche Untersuchung und den Bauphasenplan zuständige Mitarbeiterin Ulrike Schubert. Anhand von älteren Abbildungen und Untersuchungen wurde ein weißer Verputz nachgewiesen, der das Mauerwerk früher bedeckte, der empfindliche Corbiculakalk wurde damit vor Verwitterung geschützt. Es wird angenommen, dass der Weiße Turm aufgrund seines ursprünglichen Verputzes auch seinen Namen trägt.

Wer den Weißen Turm besichtigen möchte, sollte sich mit der Verwaltungsstelle Bergen-Enkheim, Marktstraße 30, 069/21241276 in Verbindung setzen.

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