Weihnachtskonzert des Posaunenchors

Verliebt in Frankreich

Der Posaunenchor entführt bei seinen Weihnachtskonzert nach Frankreich. Foto: p

Bergen-Enkheim (red) – Weihnachten in Gallien? Zumindest musikalisch nähert sich der Posaunenchor Bergen-Enkheim bei seinem Weihnachtskonzert am 8. Dezember um 17 Uhr in der Laurentiuskirche in Enkheim dem westlichen Nachbarn und erweist ihm harmonisch seine Referenz.

Das Programm widmet sich den überaus reichen Melodien zum Christfest in Frankreich, die sich aber erstaunlich leicht nachsummen lassen, denn die Melodien kommen den Zuhörenden teils ziemlich bekannt vor.

„Dabei dürfte dies sowohl dem zusammenwachsenden Europa geschuldet sein als auch dem Austausch von Sitten und Gebräuchen im Zuge der gewachsenen Mobilität“, vermuten die Musiker. Dazu gehören Kompositionen wie „Il est né devin enfant“ – als wahrgewordene Prophezeiung oder „Ding Dong“, ein so locker erscheinendes wie Präzision erforderndes Werk. Doch auch Notre Dame – und damit seine Mutter Maria – wird in der „Suite Gothique“ musikalisch gewürdigt: Mit Pauken, Trompeten, Posaunen, Tuben und nicht zuletzt Orgel. Ihre Himmelfahrt oder das grandiose Bauwerk in Paris könnten da Ideengeber gewesen sein. Zur Aufführung gelangt zudem eine „Messe Notre Dame“, dargeboten allein von Posaunen.

In die Vollen wiederum geht es bei der „Musique triomphale“ von Felix Alexandre Guilmant für Bläser und Orgel, wo ebenfalls bekannt klingende Partien zu hören sind.

Nicht nur Weihnachten ist Thema des Konzerts. Als weiterer Dreh- und Angelpunkt dient die von Sagen durchtränkte Bretagne, ehemals ein Königreich ganz im Westen und dem „Finis Terrae“, dem Ende der Welt nahe. Diese Landschaft hat der junge deutsche Komponist Reinhard Gramm 2013 mit seiner „Suite Bretonne“ eingefangen. In sechs Sätzen führt er durch die Region: Die Komposition beginnt mit dem berühmten „Mont St. Michel“, der wasserumgebenen Kircheninsel im Osten. „Le Dossen“, etwas nordwestlich gelegen, lässt den weiten Strand erahnen. Die geheimnisumwitterte Region „Huelgoat“ umfasst einen Zauberwald, in dem sich nicht nur ein Silberfluss „Rivière d’Argent“, die Teufelsgrotte „Grotte du Diable“, der Abgrund „Gouffre“, die Wildschwein-Suhle „Mare aux sangliers“ und das Artus-Lager „Camp d’Artus“ befinden sollen.

Die Musiker schaffen danach den Sprung nach Carnac, der mittlerweile etwa 7000 Jahre alten Megalith-Kultur. Einer Sage zufolge sollen die Menhire in der Weihnachtsnacht heimlich im Meer baden. Nächste Station ist Pont Aven, bekannt geworden vor allem durch den Maler Paul Gauguin. Der wiederum hat der Kapelle von Trémalo mit dem mehrfarbigen Kruzifix des Kirchenschiffs mit seinem Gelben Christus zu weltweiter Berühmtheit verholfen.

Die Suite schließt mit einem musikalischen Ausflug zu den bretonischen Leuchttürmen, die in großer Zahl die gefährlichen Uferfelsen der Bretagne krönen, um Schiffe vor Klippen wie auch vor Untiefen zu warnen. Die mit Triolen gespickte Partitur lässt das Ablaufen der Wasser bei Ebbe und ihr Heranrauschen bei Flut plastisch werden.

Und außerdem: Ein Abstecher zum Krimi-Autor Jean-Luc Bannalec kann beitragen, sich der Bretagne literarisch zu nähern: Dessen Protagonist, der aus Paris verbannte Kommissar Dupont, muss, um die verwirrenden Fälle zu lösen, tief in die Geheimnisse der Region eintauchen.

Am zweiten Adventssonntag stimmt der Posaunenchor auf Weihnachten ein und weckt vielleicht auch gar noch Sehnsüchte nach einer mystischen Zeit. Die Musiker laden zu diesem Konzerterlebnis ein.

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