Ruth Schweikert stellt persönlichen Roman vor

Von stillen Tagen und wilden Hunden

Ruth Schweikert, Stadtschreiberin 2015/16, hielt die Zeit ihrer Brustkrebs-Erkrankung in einem Buch fest. Foto: zko

Bergen-Enkheim (zko) – Die Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim 2015/16 Ruth Schweikert wollte ihr Amtsjahr gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn zu großen Teilen im Stadtschreiberhaus verbringen.

Doch dann erkrankte die Schriftstellerin an Brustkrebs und konnte viele ihrer damaligen Pläne nicht umsetzen. Nun stattete sie Bergen-Enkheim einen Besuch ab und stellte in der sehr gut besuchten Nikolauskapelle ihr Buch „Tage wie Hunde“ vor.

Die Zeit ihrer Erkrankung hat sie in dem 2019 erschienenen Roman beschrieben. Es sei natürlich ein sehr persönliches Werk, das, wie sie im Gespräch mit Charlotte Brombach aus der Stadtschreiber-Jury betonte, jedoch kein privates Tagebuch im eigentlichen Sinne sei. „Über meine Erkrankung zu schreiben, war ein Überlebensreflex, mit dem ich der Diagnose etwas entgegensetzen wollte, ohne vorher zu wissen, welche Form ich wählen würde. Wichtig war mir, dass es eine für andere zugängliche Form war, denn das Schreiben ist für mich nie etwas, was ich nur für mich tue. Mit dem Schreiben möchte man anderen etwas mitteilen“, sagte die Autorin.

Nie habe für sie zur Debatte gestanden, in einer andern Form als der Ich-Form zu schreiben, erläuterte die Züricher Schriftstellerin. Befragt zum Buchtitel teilte Ruth Schweikert ihrem interessierten Publikum mit, dass ihr das Mehrdimensionale des Titels zugesagt habe, denn Hundstage würden die heißesten Tage im Hochsommer genannt, Tage des Müßiggangs, des schwerfälligen Lebens vielleicht. Darüber hinaus gäbe es Hunde, die am Atem eines Menschen riechen könnten, ob er einen Tumor in sich trage. Für das Buchcover habe sie die Zeichnung eines befreundeten Künstlers gewählt, der das Bild jedoch nicht speziell für ihr Buch angefertigt habe. Sie habe es in seiner Galerie entdeckt und erst nicht geahnt, dass sie diese spezielle Verwendung dafür hatte.

Ohne Diagnose dürfe man heutzutage nicht krank sein und schon gar nicht sterben, gab die Autorin zu bedenken. Jede Krankheit habe einen Namen, jede sei in irgendeiner Form behandelbar. Ihre Diagnose war denkbar schlecht und sie hatte damals bereits ihr Todesjahr beziffert. Es kam alles anders, sie konnte produktiv sein und bleiben, Hoffnung schöpfen, sich schließlich als genesen bezeichnen.

Im vergangenen Jahr drehte Ruth Schweikert mit ihrem Mann Eric Bergkraut den Film „Wir Eltern“, der im April 2020 auch in Frankfurter Kinos zu sehen sein wird: „Es ist eine Groteske. Mein Mann und meine Söhne spielen darin mit und wir haben den Film innerhalb von drei Wochen in unserem Haus gedreht. Es war ein crazy Abenteuer“, sagte die Künstlerin lachend.

Auch ihr aktuelles Romanprojekt riss die Autorin am Ende der Veranstaltung kurz an. Darin spielten die Stadt Vilnius, die sie gerade bereist habe, und die Umbrüche der vergangenen 30 Jahre eine wichtige Rolle, verriet die Stadtschreiberin.

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